Donnerstag, 16. April 2020

Die Pulverfabrik Düneberg

Westlich von Geesthacht, in den Besenhorster Sandbergen, verbergen sich die Überreste der in den 1870er Jahren angelegten Düneberger Pulverfabrik.



Beim Spaziergang durch das heutige Naturschutzgebiet „Besenhorster Sandberge“ erinnern neben den gesprengten Fabrikgebäuden abseits der Wege auch die vielen noch immer recht standhaften Betonlaternen an den Wegesrändern an die bewegte Vergangenheit des 20 Hektar großen Geländes.





Schon weit vor dem Ersten Weltkrieg wurde an diesem günstig zum Seehafen Hamburg gelegenen Standort Schwarzpulver hergestellt. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs entstanden 475 Gebäude und es waren zum Schluss fast 20.000 Menschen in der Pulverfabrik beschäftigt. Man arbeitete eng mit der östlich von Geesthacht angesiedelten, von Alfred Nobel gegründeten Dynamitfabrik Krümmel zusammen (hierzu folgt ein separater Beitrag). Aufgrund der geografischen Nähe der beiden Fabriken war damals die Rede von „Deutschlands Pulverkammer“.





Nach der Niederlage Deutschlands wurde die Pulverproduktion eingestellt und die Produktionsanlagen gingen aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags als Reparationen an die Siegermächte. Von 1922 bis 1932 wurde auf Friedensproduktion umgestellt.

Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers und der Wiederbewaffnung Deutschlands wurde die Düneberger Pulverfabrik 1935 unter der Bezeichnung „DAG Düneberg“ (Dynamit AG) reaktiviert. Das Betriebsgelände wurde großräumig erweitert, der neue Betriebsteil hieß „Birke“. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden mehr als 340 neue Gebäude in den Besendorfer Sandbergen, deren gesprengte Überreste noch heute erhalten sind.

Nach Kriegsende wurden die Produktionsanlagen demontiert und abtransportiert, das Pulver vernichtet und ab 1949 die meisten Gebäude gesprengt. Damit endete die lange Geschichte der Pulverfabrikation in den Besendorfer Sandbergen für immer.

Erhalten sind heute vor allem die Wohngebäude der Fabrik in Geesthacht zwischen der Düneberger Straße - Mittelstraße - Waldstraße, im Bereich der Lichterfelder Straße und am Heuweg, sowie einige wenige Fabrikations- und Lagergebäude im Gelände der früheren Fabrik.

Im Folgenden die weiteren Fotos von unserem Besuch im April 2019.







































Quellen: Fotos: eigene (April 2019); Text u. a.: NDR „Die geheimnisvollen Ruinen in den Dünen“, Wikipedia „Pulverfabrik Düneberg“, Bergedorfer Zeitung „Auf den Spuren der früheren Pulverfabrik“

Mittwoch, 15. April 2020

Der Campehof

Heute erinnert nur noch wenig an den einst so stolzen Campehof auf dem Rugard. Gerade einmal die Straßenbezeichnung „Campehof“ existiert noch, sie endet allerdings an einer verfallenen, zugewachsenen und heute weitgehend vergessenen Ruine.

Der Campehof im April 2019

Meine Recherche zum Campehof verlief weitgehend erfolglos, bis ich dann doch noch auf einen Artikel der Ostsee-Zeitung vom 1. Juli 2017 gestoßen bin, in dem der Autor Hayo Eckert die Geschichte dieses Anwesens beschreibt. Die folgenden Informationen stammen aus diesem Artikel.

Vor über 100 Jahren, noch vor dem Ersten Weltkrieg, wurde der Berghang des Rugard im Auftrag des Majors a.D. Siegfried Campe gerodet. Er legte dann auf rund 40.000 Quadratmeter großen Fläche eine riesige Plantage mit unterschiedlichen Obstsorten an. Sogar eine Seidenraupenzucht wurde versucht, die aber erfolglos wieder aufgegeben wurde.



Die traurige Ruine des Hauptgebäudes

Zustand im Jahr 2008
(Link zum Originalfoto)

Um ca. 1921 erwarb Major a.D. Heinrich Lange das Obstgut und versorgte fortan die Hospitäler auf Rügen und in Stralsund mit der Ernte. Der Major kam während des Zweiten Weltkriegs in Rußland ums Leben und der Campehof ging an seine Nachfahren über. Im Jahr 1953 begann die Regierung der DDR mit der Enteignung und Verstaatlichung von Privatbesitz, und gegen Ende des Jahres fiel auch der Campehof dieser „Aktion Rose“ genannten Enteignungswelle zum Opfer. Die Gebäude wurden von der „LPG Buschvitz“ übernommen und beherbergten nun eine landwirtschaftliche Berufsschule.







Der Bergener Gärtner Schuhmacher bewirtschaftete ab den 1960er Jahren einen Teil der ehemaligen Plantage und belieferte mit dem Obst und Gemüse vom Campehof die Vereinigten Gesundheitseinrichtungen auf Rügen. Zusammen mit seiner Frau lebte Schuhmacher bis ca. 2003 in dem Anwesen, das sich aber schon zu dieser Zeit in schlechtem Zustand befand. Mit dem Auszug der Schuhmachers fielen die Gebäude nach und nach dem Vandalismus zum Opfer.







Heute ist diese einst blühende Ecke am Rugard verfallen und vergessen. Auch wir haben den ehemaligen Campehof nur durch Zufall entdeckt. Und wenn wir noch einmal an diesen Ort zurückkehren werden - was wird uns erwarten? Vermutlich wird dann kaum noch etwas vom einstigen Campehof übrig geblieben sein...

Ein letzter Blick zurück

Quellen: Fotos: eigene (April 2019); Text wie angegeben.