Mittwoch, 30. September 2015

Pavillon und Ehrenmal in Söder

In unmittelbarer Nähe zum Schloss Söder steht etwas abseits des Weges ein interessanter Pavillon aus dem Jahr 1790. Leider ist von der einstigen Pracht und Schönheit heute nicht mehr viel zu sehen. Der Zustand dieses Bauwerks ist ziemlich besorgniserregend. Immerhin wurde die marode Dachkonstruktion vor einiger Zeit mit einer Plane abgedeckt, sodass hier der weitere Verfall wohl zumindest für den Moment gestoppt scheint.

Der Pavillon im September 2015
Friedrich Moritz von Brabeck
[Link zum Originalbild]

Bauherr des Pavillons war Friedrich Moritz von Brabeck, in dessen Besitz sich zur damaligen Zeit das Schloss in Söder befand und der es bis 1791 großzügig aus- und umbauen ließ. Er gab ihm seine bis heute erhaltene Gestalt. Von Brabeck war es auch, der einen Landschaftsgarten anlegen ließ, welcher sich an einer Allee, die auf einer Achse mit der Zufahrt zum Schlosshof lag, erstreckte.

Allee mit alten Eichen am Klappenberg

Vom Schloss aus führt noch heute diese breite Allee, von wunderschönen alten Eichen gesäumt, den Klappenberg hinauf. Auf der Anhöhe des Klappenbergs durchschneidet die Allee ein Wäldchen, in dem sich einige Staffagebauten befanden. Aus der Dissertation von Stefanie Anders über Schloss Söder erfährt man folgende Details zu diesem Landschaftsgarten. So gab es dort z. B. einen künstlichen Baum, der von innen begehbar war, und als Aussichtspunkt genutzt werden konnte. Weiterhin gab es einige Gedenksteine und Urnen, einen „gotischen“ Turm, die Ruine einer Bauernhütte und einen Freundschaftstempel „in Form eines Oktogons mit kliener Kuppel und vorgeblendetem Peristyl“. Weiter heißt es: „Das Äußere wirkt schlicht, während sich im Inneren Stuckaturen befinden“. Von Brabeck widmete diesen Bau seiner Gemahlin. In einer Publikation von Carl Gottlieb Horstig aus dem Jahre 1799 wird das Bauwerk näher beschrieben: „[...] Es ist eine Rotonde, deren Peristyl ein von zwey Dorischen Säulen getragener Fronton erhebt. Dieser mit Kunst angelegte und mit Geschmack verschönerte Tempel ist inwendig in Stuk gearbeitet, der den Granit nachahmt. Sechzehn Säulen tragen den oberen Vorsprung und einen schönen Kranz. Acht Fenster dienen zur Erleuchtung. Die Decoration ist einfach aber gefällig und schlank.“ Laut Horstig wurde der Tempel als Ort des bewussten Rückzugs, der gesellschaftlichen Zusammenkunft und des Austauschs über Bildung und Kunst genutzt.


Ehrenmal am Wegesrand
Inschrift am Ehrenmal

Direkt an der Weggabelung zum Pavillon hin steht noch heute ein imposanter Gedenkstein, der an den Besuch eines guten Freundes von Brabeck erinnert, nämlich an den italienischen Kardinal Giovanni Battista Caprara. Die Inschrift auf dem Stein heißt übersetzt in etwa: Der Freundschaft Dem Grafen von Caprara zum Gedenken an seine Ankunft in Söder 29. Juni 1791. Auch über dieses Ehrenmal hat Horstig berichtet: „Als der Cardinal von Caprara das glückliche Italien verließ, um die Wohnung seines Freundes Brabeck im Norden zu besuchen, fand er  hier bey seiner Ankunft ein kleines Denkmal, welches die  Freundschaft ihm errichtet hatte. Zwey Säulen tragen einen Fronton, der über einer Art von flacher Nische steht, worin eine einfache  Inschrift die Gefühle ausdrückt, welche diese kleine Architecturstück geschaffen haben.“ Wenn man dem Weg am Gedenkstein vorbei folgt, erreicht man wenig später den alten Pavillon.


Der Pavillon - im Bildhintergrund sieht man Schloss Söder
Hier geht's nicht mehr weiter

Vom erhöhten Standort des Pavillons kann man noch heute einen herrlichen Blick über die schöne Landschaft um Söder genießen. Auch das in rund 1.000 m Entfernung gelegene Schloss hat man von dort gut im Blick. Das Portal des Pavillons ist mit den römischen Ziffern „MDCCXC“ (also 1790) verziert. Über dem Eingang war in lateinischer Schrift folgender Vers von Politian zu finden:
Felix ille animi, divisque simillimus ipsis,
Quem non mendaci resplendens gloria fuco
Sollicitat, non fastosi mala gaudia luxus.
Sed tacitos sinit ire dies, et paupere cultu
Exigit innocuae tranquilla silentia vitae.
Übersetzt heißt es in etwa:
Glücklich ist der im Gemüt, und gleich den ewigen Göttern,
den des glänzenden Ruhms betrüglich spielende Farben,
und hochmütiger Pracht verderbliche Freuden nicht reizen.
Ihm entfliehet geräuschlos der Tag, in ärmlicher Kleidung
blühet dem Schuldlosen stets in stiller Ruhe das Leben.

Bleibt zu hoffen, dass sich in naher Zukunft ein Retter für dieses interessante Bauwerk findet, bevor es ganz in sich zusammenfällt.

Ein Blick ins Innere des Pavillons aus dem Oktober 2010.
Foto: Hansjörg Wesche [Link zum Originalbild]


Quellen: Fotos eigene (September 2015) soweit nicht anders gekennzeichnet. Texte: Dissertation von Stefanie Anders; Wikipedia