Donnerstag, 30. April 2020

Goebbels Villa



Von Berlin kommend, ist man eine ganze Weile auf idyllischen Landstraßen unterwegs, um dem ehemaligen Landhaus von Joseph Goebbels, dem „Waldhof am Bogensee“, einen Besuch abzustatten. Man durchquert die märkische Landschaft, taucht ein in die dichten Wälder und kommt schließlich über einen schmalen Waldweg ans Ziel - zumindest fast, denn die ehemalige Goebbelsche Villa ist zunächst nicht zu entdecken. Hier, am Ende der Zufahrtstraße, liegen zunächst andere Bauten. Folgt man aber dem schmalen Weg, vorbei an einem verlassenen Sportplatz, rückt die Villa dann doch ins Blickfeld.






Zu Goebbels Zeiten stand dort am Hauptportal „Waldhof am Bogensee“

Blick ins Innere

Anders als die Bauten anderer Nazigrößen wie z. B. Görings pompöser Landsitz Carinhall, wirkt das Goebbelsche Landhaus ziemlich bescheiden. Es ist zwar groß, doch mit dem hohen Dachstuhl über dem Erdgeschoss duckt es sich geradezu in den sandigen Boden. Es wirkt einerseits schlicht, ist aber dennoch imposant.

Die Fensterläden sind verschlossen, Putz bröckelt hier und da, der Vorplatz ist verwildert. Auf dem Weg um das Haus herum, gelangt man auf die großzügige Terrasse. Hier ist der Mittelteil des Gebäudes mit dem berühmten Kaminzimmer, dessen bodentiefe Fenster sich komplett versenken ließen. Angeblich funktioniert der Mechanismus auch heute, über achtzig Jahre nach dem Einbau, noch immer. Den einst schönen Blick von der Terrasse hinab zum Bogensee hat man heute nicht mehr, da sich die Vegetation ungehindert ausgebreitet und das ehemals freie Terrain zurückerobert hat.



Diese großen Fenster ließen sich vollständig in den Boden absenken






Der „Waldhof“ fiel bei Kriegsende so gut wie unbeschädigt in die Hände der Roten Armee. Das wertvolle Inventar wurde wahrscheinlich geplündert, zum einen durch Sowjetsoldaten, zum anderen aber auch durch die Bevölkerung. Vieles blieb für immer verschwunden. Die sowjetische Armee nutzte das Gebäude rund 10 Monate, unter anderem auch als Militärlazarett, ehe es die FDJ ab 1946  als zentrale Jugendleiterschule - später Jugendhochschule - übernahm.



Auf benachbarten Grundstücken wurde seit den 1950er Jahren die Jugendhochschule durch weitere gigantische Bauten im stalinistischen Zuckerbäckerstil erweitert. Das Ende der DDR war auch das Ende der Nutzung dieses Gebäudeensembles. Seit den späten 1990er Jahren stehen die meisten - inzwischen unter Denkmalschutz stehenden - Gebäude leer, auch der ehemalige „Waldhof“.

Der ehemalige „Waldhof“ aus der Vogelperspektive


Quellen: Fotos (eigene, April 2019); Text: Wikipedia; Buch „Goebbels' Waldhof am Bogensee“ von Stefan Berkholz; Spiegel Geschichte „Goebbels' Liebesnest“

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