Dienstag, 5. August 2014

Das Krankenhaus St. Josef-Stift in Celle

Das Celler St. Josef-Stift um die Jahrhundertwende

Eigentlich sieht man es dem Gebäude gar nicht an, doch das alte Celler Krankenhaus „St. Josef-Stift“ am Bullenberg Nr. 10 ist ein Lostplace. Das Ende war schon länger in Sicht, doch mittlerweile ist es amtlich: der alte Gebäudekomplex wird abgerissen.

Das St. Josef-Stift im Jahr 2014 - links der Altbauteil (siehe Postkarte oben)

Eröffnet wurde das St. Josef-Stift im Jahre 1893 als katholisches Stift. Aus der Geschichte des Krankenhauses konnte ich bislang leider nicht viel erfahren, eine Episode aus der unmittelbaren Nachkriegszeit jedoch erscheint mir erwähnenswert. In dem (englischsprachigen) Buch „John W. Thompson: Psychiatrist in the Shadow of the Holocaust“ von Paul Weindling heißt es an einer Stelle:

[...] Celle was the site of atrocities. The St. Josefs-Stift hospital there had an unsavoury reputation; many allied wounded and sick were found in a disgraceful condition. The Germans had denied them medical attention, and the only food which found its way there was such as those of the sick who could walk could carry to their less fortunate comrades. When the mother superior of the convent hospital was taken to task over the situation, she told the British senior medical officer of Celle that she was only there to look after Germans. [...]

Übersetzt heißt das in etwa, dass die im St. Josef-Stift untergebrachten kranken und verwundeten Alliierten sich selbst überlassen wurden und von den Deutschen weder medizinische Versorgung noch Nahrungsmittel erhielten. Die Verantwortliche rechtfertigte dies später damit, dass sie sich nur um die Deutschen zu kümmern hatte.

Dies ist sicher das dunkelste Kapitel in der Geschichte des St. Josef-Stifts. In der Nachkriegszeit wurde das Krankenhaus mindestens zwei Mal durch Anbauten erweitert. Eine Stellenanzeige aus dem Heft „Ernährungs-Umschau“ gibt Auskunft über das St. Josef-Stift im Jahre 2000:

[...] Wir sind ein Krankenhaus der Grundversorgung mit 198 Planbetten und führen die Fachabteilungen Innere Medizin (101 Betten), Chirurgie, Anästhesie sowie die Belegabteilungen Augenheilkunde und Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde. [...]

Doch bereits im Jahr 2005 macht die bedrohliche wirtschaftliche Situation des Stifts eine Fusion mit dem anderen großen Celler Krankenhaus, dem Allgemeinen Krankenhaus (AKH), notwendig. Am 19. September 2005 übernimmt das AKH das St. Josef-Stift als hundertprozentige Tochter. Und für das St. Josef-Stift geht es in den Folgejahren tatsächlich wieder aufwärts. So wird im Oktober 2007 das Zentrum für Altersmedizin und Frührehabilitation eröffnet. Im Jahr 2012 verfügt das St. Josef-Stift über 62 Betten, auf denen 2.856 Patienten versorgt werden.

Luftaufnahme des St Josef-Stifts

Es sind wohl letztlich die weiten Wege zwischen den beiden Standorten des AKH bzw. St. Josef-Stifts, die dazu führen, dass die Abteilungen der Klinik am Bullenberg nach und nach ins AKH verlegt werden. Mit dem Umzug der Geriatrie ins AKH Anfang 2014 ist hier der Schlußpunkt gesetzt. Mit der letzten Abteilung hat auch der aus Holz geschitzte Schutzpatron, der Heilige Josef, nach 121 Jahren das Stift am Bullenberg verlassen und hat nun im AKH eine neue Heimat gefunden.

Der Altbauteil des St. Josef-Stift steht da schon längere Zeit leer, und der bevorstehende Abriss ist  beschlossen. Der Neubauteil des St. Josef-Stifts wird erhalten bleiben, doch schon bald wird das alte katholische Stift in der Celler Innenstadt verschwunden sein.

Hier einige Impressionen des St. Josef-Stifts aus dem Juli 2014:

Blick auf den ältesten Teil des Stifts


Versteckt an der Außenwand eine Heiligenfigur

Eingangstür



Anbau neueren Datums


Dieser Parkplatz bleibt jetzt frei

Gebäuderückseite


Eingang zum Aufzug






Der Heilige Josef?
Wie lange wird sich dieser Anblick wohl noch bieten?

Am 6. September berichtete die Cellesche Zeitung im Rahmen ihrer Serie „Alte Fotos erzählen“ ebenfalls über das St. Josef-Stift. Hier der entsprechende Artikel dazu:

Bericht aus der Celleschen Zeitung vom 6. Sept. 2014


Quellen: Artikel aus der Celleschen Zeitung vom 6. Juli 2014; Internetseiten www.wer-zu-wem.de, www.celleheute.de, www.celler-presse.de; andere Quellen wie angegeben.
Fotos: eigene (Juli 2014) bzw. wie angegeben.