Samstag, 15. Februar 2014

Jüdischer Friedhof in Celle

Seit über 320 Jahren, genauer seit dem Jahre 1692, gibt es diesen jüdischen Friedhof in Celle.

Die Pforte zum Jüdischen Friedhof ist leider fast immer verschlossen

Obwohl es diesen Friedhof mit seinen 288 Grabstellen schon so lange gibt, dürfte er nur den wenigsten Cellern bekannt sein. Er liegt sehr versteckt auf einer Art Insel zwischen der „Hügelstraße“ und der Straße „Am Berge“ im Hehlentorgebiet, eingerahmt von Häusern auf der einen und umgeben von einer alten verwitterten Backsteinmauer auf der anderen Seite.

Leider ist dieser Friedhof nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet und somit nicht frei zugänglich. Wie man aus einem Bericht der Celleschen Zeitung vom 24. Januar 2014 erfährt, hat der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen (dem das Grundstück gehört) nicht die finanziellen Mittel, um an dieser Situation etwas zu ändern. Daher bekommt man nur auf Nachfrage bei der Celler Tourist-Info oder beim Stadtarchiv Zugang zum Friedhofsgelände.


Blick auf den Jüdischen Friedhof aus der Vogelperspektive
Blick über die Friedhofsmauer

Am Ende des siebzehnten Jahrhunderts gab es in Celle fünf Schutzjuden, denen dieses Gelände - rund zwei Kilometer von der Synagoge in der Blumlage entfernt - zur Bestattung ihrer Familien zugewiesen worden war. Da die Gräber auf diesem Friedhof schon in den ersten Jahren nach der Gründung immer wieder verwüstet wurden, errichtete man zunächst die Mauer aus Ziegelsteinen; im Jahre 1741 wurde zusätzlich noch ein kleines Wächterhaus gebaut. Der bekannte Celler Bauhaus-Architekt Otto Haesler entwarf schließlich eine Friedhofshalle, die 1911 errichtet wurde.

Die 1911 erbaute Friedhofshalle
Quelle: Celle im Nationalsozialismus
(Link zum Originalfoto)

In der sogenannten Reichsprogromnacht, also in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, wurde wie die meisten anderen jüdischen Einrichtungen in ganz Deutschland auch in Celle die Friedhofshalle des jüdischen Friedhofs verwüstet.

Nach dem Krieg gründete sich die jüdische Gemeinde in Celle neu, und noch bis 1953 fanden auf dem Friedhof Bestattungen statt. Erst viel später, im Jahre 1974, wurde die Friedhofshalle zusammen mit dem Wächterhaus von der Stadt Celle abgerissen, da man die Gebäude als nicht schützenswert einstufte.
In der Folgezeit kam es immer wieder zu Schändungen auf dem Friedhof, bei denen Grabsteine umgestürzt und mit Hakenkreuzen beschmiert wurden.












Bis heute hat sich leider niemand gefunden, der sich um diesen alten Friedhof kümmern möchte. Von Seiten des Stadtarchivs wurde versucht einen Freundeskreis ins Leben zu rufen, und auch das Angebot an Schulklassen sich um den Friedhof zu kümmern blieb ohne Erfolg. Bleibt zu hoffen, dass sich vielleicht doch noch jemand findet, der Verantwortung für dieses Stück Geschichte übernimmt - und dass der Friedhof in Zukunft wenigstens von weiteren Schmierereien und Verwüstungen verschont bleibt.




Am 31. Juli 2015 erschien folgender Artikel über den Jüdischen Friedhof in der Celleschen Zeitung:

Bericht aus der Celleschen Zeitung vom 31. Juli 2015

Eine Fotogalerie mit über 30 aktuelleren Aufnahmen aus dem Mai 2015 gibt es hier: Der Jüdische Friedhof Celle.

Link zur Fotogalerie


Fotos: eigene (Februar 2014); Quellen: Bericht der Celleschen Zeitung vom 24. Januar 2014 „Friedhof im Dornröschenschlaf: Jüdisches Gräberfeld im Celler Hehlentorgebiet“ und vom 31. Juli 2015 „Ort der Ewigkeit voller Geschichten“; Internetseite www.celle-im-nationalsozialismus.de; Buch „100 besondere Orte in Celle“ von C. Bellersen Quirini (Seite30).