Montag, 31. Januar 2011

Heeresmunitionsanstalt Celle-Scheuen


Das Gelände nördlich des Celler Stadtteils Scheuen blickt auf eine lange militärische Nutzung zurück, denn bereits ab 1870 war hier ein Schießplatz für die große Celler Garnison eingerichtet worden.


Nach Beschluss im Jahre 1932 entstand ab 1934 auf dem westlichen Teil dieses Gebietes dann die Heeresmunitionsanstalt Celle-Scheuen.
In zwei Bereichen, dem nördlichen (Produktions- und Lagerbereich), und dem südlichen (Unterkunfts- und Verwaltungsbereich) entstanden bis 1939 ca. 200 Gebäude, davon etwa einhundert unterirdische Bunker mit doppelten Stahltüren. Außerdem wurde ein Gleisanschluss zur Muna an die Anlagen der Osthannoverschen Eisenbahn geschaffen.
Hergestellt wurden vor allem Infanteriemunition, Handgranaten und Panzerabwehrgeschosse, sowie Nebelgranaten und Artilleriegeschosse.

Zur Produktion setzte man hier in Scheuen, wie in allen anderen vergleichbaren Anlagen (siehe auch Lufthauptmunitionsanstalt 1/XI Hambühren) im Reichsgebiet, Zwangs- und Fremdarbeiter ein.


Am 13. April 1945 schließlich wurde das Gebiet von der englischen Armee besetzt, und die Muna Scheuen wurde kampflos und vollkommen intakt übergeben.
Schon bald nach Kriegsende wurden die eingelagerten Munitionsbestände und zahlreiche Munitionsbunker gesprengt.

In der Nachkriegszeit ist Celle zu einer großen Britischen Garnison geworden. Das Muna-Gelände in Scheuen diente den Engländern zunächst als Depot, wurde aber bereits vor vielen Jahren geräumt und lag dann lange Zeit brach.


Im südlichen Bereich der ehemaligen Muna hat die Bundeswehr ab 1965 die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne errichtet, direkt neben dem britischen Depot. Bis 1968 entstand dort eine moderne Kaserne, die viele Jahre Heimat von Teilen der Panzerbrigade 33 war. Für diese Truppe wurde das nördliche Gebiet, einschließlich eines Großteils des ehemaligen Lagerbereiches der Muna, zum Standortübungsplatz.
In den 1990er Jahren ist der frühere britische Teil mit der Bundeswehrkaserne zusammengelegt worden. Im Zuge dieses Zusammenschlusses sind im Laufe der Jahre die meisten der bis dahin noch erhaltenen historischen Bauten, die im ungenutzten Depotbereich standen, abgerissen worden.

Heute sind nur noch sehr wenige Gebäude aus der Muna-Zeit vorhanden. Sie befinden sich innerhalb des Kasernengeländes und sind damit nicht öffentlich zugänglich. Aber im frei zugänglichen westlichen Bereich sind noch heute einige der gesprengten Munitionsbunker zu finden. Den heutigen Zustand einiger dieser Bunkerruinen dokumentieren diese Fotos vom Januar 2011.


Quellen (Text, Auszüge): www.relikte.com; www.geschichtsspuren.de; Broschüre „Celle im Nationalsozialismus“ von Reinhard Rohde und Tim Wegener; Fotos: eigene.