Mittwoch, 21. März 2012

Der Kongo-Express

August 1939. Offensen bei Wienhausen. Ein Ufa-Filmteam beginnt mit den Dreharbeiten zum Film „Kongo-Express“.


Was haben Dreharbeiten mit Lostplaces zu tun? Diese Frage darf man sich durchaus stellen - sie ist aber recht schnell beantwortet. Für die Aussenaufnahmen zum Ufa-Film „Kongo-Express“ suchte sich das Filmteam rund um den verantwortlichen Filmarchitekten Anton Weber die Bahnlinie der Allertalbahn bei Offensen aus. Heute, mehr als 70 Jahre später, existiert diese Bahnstrecke schon lange nicht mehr. Daher sind die Dreharbeiten zu diesem Film auch ein Stück Geschichte der Allertalbahn, und somit haben die Geschehnisse rund um den „Kongo-Express“ auch Erwähnung bei meinen Lostplaces verdient.
Und nun wünsche ich viel Freude bei der Zeitreise zurück in die letzten friedlichen Tage kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges...

In wenigen Stunden hat sich in der Lüneburger Heide bei Celle allerlei getan. Afrikanische Buschmänner und weiße Ingenieure haben sich für längere Zeit in Offensen niedergelassen. Die Ufa hat einen Vortrupp entsandt, um die Außenaufnahmen für den Film KONGO-EXPRESS vorzubereiten.

Sind die Neger echt? – Diese Frage ist von den braven Heidjern, den Bauern in Offensen, gestellt worden. Sie konnten es nicht glauben, daß die Neger echt waren, und befürchteten, daß die Farbe auf ihre Bettbezüge abfärben könnte. Deshalb war es zu Anfang ein wenig schwierig, für die seltenen Gäste Quartier zu bekommen. Sie haben sich dann aber überzeugen lassen, daß die Farbe nicht abzuwischen sei und waren beruhigt.

Mit Hauruck sind die Ufamänner dann an die Arbeit gegangen und haben das Negerdorf »Mondombe« aufgebaut – einen typisch afrikanischen Negerkral, wie er ebensogut in der Nähe des Äquators stehen könnte. Um für die Aufnahmen den rechten Hintergrund zu schaffen, hat man sogar sechzig Palmen herangebracht, hat Busch und Sand etwas afrikanisiert.

Außerdem hat man ein echtes, afrikanisches Bahnhofsgebäude im Kolonialstil errichtet. Zwei andere Gebäude hat man mit Schilf- und Strohmatten afrikanisiert.

Der Film-Kurier über den Kongo-Express

Die komplette Ausgabe das „Film-Kurier“ über den Kongo-Express

Diese Zeilen konnte man damals im „Film-Kurier“ (Nr. 194 vom 22. August 1939) lesen. Selbstverständlich befasste sich auch die örtliche Lokalpresse mit diesem außergewöhnlichen Treiben. So erschien am Freitag, 18. August 1939, auf Seite 6 unter der Rubrik „Aus dem Landkreis Celle“ in der Celleschen Zeitung folgender Artikel:

„Mondombe via Celle“
Ein Tropenidyll in unserer Heide - Die Cellesche bei den ersten Aufnahmen zu dem Film „Kongo-Expreß“.
Was bisher Schrecken und Unruhe um und über „Mondombe“ in unsere friedliche und gemäßigte Bevölkerung hineingetragen hat, waren weiter nichts als Vorbereitungen. Die richtigen Sensationen sollen erst kommen. Man denke nur: Zwei Expresszüge rasen, durch ein Versehen auf das gleiche Gleis gebracht, aufeinander los. Ein Flieger will das furchtbare Unglück verhüten und die Züge durch Notsignale zum Halten bringen. Da seine Zeichen mißverstanden werden, entschließt er sich zum letzten, heldenmütigen Einsatz: er landet, ohne Rücksicht auf sich und seine Maschine. Seine Maschine geht im Urwald zu Bruch, dicht am Schienenstrang liegen die Trümmer, aber der Flieger hat seine hohe Mission erfolgreich durchgeführt. [...]

Dies ist zunächst eine kurze Inhaltsangabe zum Film. Der Redakteur Walter Redlich hat diese Zeilen geschrieben, und er ist es auch, der in den folgenden Tagen Berichte für die Leserinnen und Leser der Celleschen Zeitung verfassen wird. Seine Artikel bilden den Grundstock für meine Recherche, denn über die Situation direkt vor Ort ist sonst so gut wie nichts (mehr) zu erfahren. Eine weitere Quelle ist der Text von Hans-Jürgen Tast über den Kongo-Express in der „Celler Chronik 16“, allerdings greift auch er auf die Zeitungsartikel von Redlich zurück. Neben den Texten sind in der Tageszeitung auch interessante Fotos von den Dreharbeiten erschienen, diese sind jedoch leider nur auf Mikrofilm qualitativ so schlecht erhalten, dass sie hier leider nicht abgebildet werden können.

Doch folgen wir nun erst einmal wieder der Schilderung Walter Redlichs über die Herrichtung des Drehortes  (Cellesche Zeitung, 18. August 1939):

Ein Tropen-Idyll in unserer Heide
Strahlend zog der heutige Augusttag herauf. Es war ein richtiger Erntetag, der den Bauern und seine Helfer frühzeitig auf das Feld lockte. Überall sah man das gewohnte Bild dieser hochsommerlichen Tage, fleißige Menschen auf den Äckern und mit Garben beladene Wagen. Auch Heide und Bruch waren still und einsam, wie immer. Die Bienen summten um die jungen Heideblüten, nichts störte den Frieden unserer stillen Landschaft. Doch potzwunder, was tut sich denn dort, unmittelbar neben dem einsamen Feldweg, für ein merkwürdiger Anblick auf? Über die grünen Birkenkronen am Wegrande ragen schlanke Palmenstämme empor, oben, in luftiger Höhe, mit den fächerartigen Wedeln bekrönt. Typische Kinder der Tropen in unserer Heide! 
Warm genug ist es heute ja, aber es gehört doch viel Phantasie dazu, um sich in jenes begnadete Land hineinversetzt zu fühlen, wo es ewig Sommer ist. Wir treten durch das Gebüsch in dieses Tropenidyll hinein, das die Ufa als Urwaldlandschaft aus dem Kongogebiet für ihren Film erstellen läßt. Von richtigen Kongonegern ist weit und breit nichts zu sehen; die Männer, die dort mit Sägen, Messern und Spritzen arbeiten, sind zwar auch von der Sonne braun gebrannt, aber an ihrer Mundart kann man unzweifelhaft erkennen, daß sie mit Spreewasser getauft worden sind. „De Dreckschleuder kannste nehmen, ha'k jesacht, und nu man lustig vorwärts, de Palmen müssen fertig wern!“
Da stehen sie, die schlanken Tropenbäume, die sich aber beim näheren Zuschauen als täuschend geschickt maskierte Kulissenstücke entpuppen. Die Stämme sind mit Sacktüchern umwickelt. Sie mußten, um ein möglichst naturgetreues Bild zu geben, schräg eingegraben werden, denn so wachsen ja auch die richtigen Palmen auf. Das war eine mühselige Arbeit, die an den Architekten und seine Helfer große Anforderungen stellte, denn die Erde mußte wegen der schrägen Stellung der Stämme besonders tief ausgegraben werden, um ihnen einen festen Halt zu bieten. Alles mögliche Material wurde für dieses Urwaldfleckchen verwandt, morsche Apfelbäume, Fichtenstämme, Nägel, Leim und Farbe für die künstlichen Palmwedel, kein Stück aus dem afrikanischen Busch, aber unter geschickten Händen zu einem täuschend echten Urwaldfleckchen konstruiert. [...]

Aufgrund dieses Artikels erhält man einen schönen Einblick in die Vorbereitungsarbeiten, die kurz vor den Dreharbeiten, ab 11. August 1939, am Bahndamm der Allertalbahn zwischen Wienhausen und Offensen stattgefunden haben. Doch nicht nur die Vegetation am Bahndamm erfuhr eine Verwandlung, es wurden  außerdem noch die kleine afrikanische Bahnstation „Lukanga“ sowie das Urwalddorf „Mondombe“ errichtet, letzteres auf ca. 200m Länge zwischen den frisch abgeernteten Feldern am Sandlinger Weg.

Kulissenmodell für das Dorf Mondombe
Quelle: Celler Chronik 16

Aber wie ist es dazu gekommen, dass gerade Offensen für die Außendreharbeiten ausgesucht wurde? Hier gibt ein Bericht aus der Celleschen Zeitung vom Donnerstag, 24. August 1939, Aufschluss:

[...] Aufnahmeleiter Grau, der zum direkten Stab des Produktionsleiters gehört, hat lange nach einem passenden Gelände für die gegenwärtigen Aufnahmen gesucht. Es kam darauf an, eine Landschaft ausfindig zu machen, die mit möglichst geringem Aufwand „afrikanisiert“ werden konnte. Das wichtigste war aber eine eingleisige Bahnstrecke, deren fahrplanmäßiger Verkehr die filmische Beanspruchung erlaubte. Bei Offensen wurde die passende Strecke entdeckt, dann setzten Verhandlungen mit Ministerien und mit der Reichsbahndirektion ein. Die Reichsbahn hat nicht nur ihre Strecke zur Verfügung gestellt, sie hat auch Lok und Wagen für den „Kongo-Expreß“ geliefert. [...]

Der detaillierte Bericht aus der Celleschen Zeitung vom 18. August 1939, der hier bereits so oft bemüht wurde, beinhaltet noch weitere Informationen zu den beginnenden Dreharbeiten:

Adalbert von Schlettow auf dem Kongo-Expreß.
Mehrere hundert Meter weiter am Schienenstrang glaubt man sich wieder nach Innerafrika versetzt. Wo sonst immer unsere gewöhnlichen Züge fahren, hält eine mächtige Lokomotive mit einem Rauchfang auf dem Schornstein und mit einem großen Schutzgitter am Kesselbug. Dahinter sind weiße Wagen gekuppelt. „Mondombe - Kanombe“ heißt die Inschrift in großen roten Lettern an der weißen Wagenwand, und daneben ist zu lesen: „Chemin de Fer Colonial Du Bas-Congo“. Der Kongo-Expreß! Auf dem Führerstand steht Hans Adalbert von Schlettow, der Lokomotivführer, und ihm zur Seite ein waschechter Neger, Viktor Bell, der als Heizer fungiert. Soeben sollen die Aufnahmen beginnen. Zischend strömt der Dampf aus der Lok, und dann rollt sie mit den Wagen davon, während im Zuginneren Regisseur, Kameramann und Schauspieler an den ersten Szenen arbeiten. 
Die drei Hauptdarsteller Willy Birgel, Marianne Hoppe und René Deltgen
Der neue Ufafilm „Kongo-Expreß“ ist begonnen worden. Die Hauptdarsteller sind Marianne Hoppe, Willy Birgel und René Deltgen, alles Schauspieler, die bei uns von der Leinwand her längst bekannt sind und sich die Herzen des Publikums erobert haben, die aber nun wirklich einmal selbst im Kreise Celle weilen und hier an einem neuen Filmwerk arbeiten. Das Drehbuch ist von Ernst von Salomon und Eduard von Borsody nach einer Idee von Johanna Sibelius. Für die Bilder ist Werner Krien verantwortlich, für die Bauten A. Weber. Die Herstellungsleitung hat Georg Witt und die Spielleitung Eduard von Borsody.
Der Kongo-Expreß mit seinen luxuriös ausgestatteten Wagen ist unseren Blicken entschwunden. Aber immer noch umgibt uns die kleine Phantasielandschaft Afrikas. Sie wird noch mehrere Tage hier stehen, mit ihrem seltsamen Kontrast zu Birken, Fichten und Heide unserer engeren Heimat, denn die Arbeiten der Filmleute werden noch mehrere Tage lang dauern. Eins ist sicher: Auf den Film „Kongo-Expreß“ werden die Volksgenossen aus Stadt und Land Celle besonders gespannt sein.


Soweit also diese erste Berichterstattung über die gerade begonnenen Dreharbeiten. Die Cellesche Zeitung bleibt auch in den darauf folgenden Tagen am Ball und berichtet fast täglich. So liest man bereits am nächsten Tag (Samstag, 19. August 1939) unter der Überschrift „Rund um den Kongo-Expreß“ folgendes:

Über Palmen und Heide funkelt die heiße Augustsonne. Fürwahr, die Lüneburger Heide und Zentralafrika kommen sich merklich näher. Ein Bahnbeamter wischt sich seufzend die Stirn, da tönt ein Bimmeln durch die Stille und um die Waldecke biegt der „Kongo-Expreß“, zur Zeit der einzige Tropenzug im Reich und unser größtes Lokalwunder.
Ein letzter, lauter Schnaufer, und die Lokomotive hält. Dem Zug entsteigt ein braungebrannter Mann, die haarigen Arme bis zu den Schultern frei, eine Hutruine auf dem verbrannten und verrußten Gesicht und eine blaue Werksmontur an. Hinter ihm her kommt ein zweiter Mann, braunschwarz, mit einem sehr porösen Netzhemd und einem noch fragwürdigeren Hut: Hans Adalbert von Schlettow, im Film als Lokomotivführer des „Kongo-Expreß“ und sein getreuer Heizer Viktor Bell, ein richtiger Kamerunneger, aber ebenfalls alter Filmhase.
Hans Adalbert Schlettow

Ein Plauderstündchen. Noch ist ja der Betrieb nicht allzu stürmisch, und dann die Hitze, also: eine Ruhepause mit Klönsnack angenehm! Man erkennt bald, daß in der rußigen Hülle Schlettows ein großer und sympathischer Künstler steckt. Er erzählte uns von seinen diesjährigen Arbeiten, die viele Reisen kreuz und quer durch das Reich erforderten, und er sprach dann auch von dem jetzigen Film und von seinen Eindrücken, die er bereits von Land und Leuten unserer engeren Heimat gewonnen hat. Stets drängt es ihn, tiefer in die Eigenarten der Landschaften und Menschen einzudringen, als der flüchtige Reisende, denn gerade sein Beruf setzt ja ein feines Empfinden, eine gute Beobachtungsgabe und psychisches Einfühlungsvermögen voraus. Es war ehrlich gemeint und das Urteil eines weitgereisten und vielerfahrenen Mannes: die alte Herzogstadt Celle und seine Umgebung sind bezaubernd schön! [...]

Die Dreharbeiten einerseits, die Anwesenheit bekannter Schauspieler andererseits, sorgten unter der hiesigen Bevölkerung für reichlich Gesprächsstoff. Auch wurde wohl jede Gelegenheit gern genutzt, um einen Blick auf die Stars zu werfen oder sich vielleicht sogar ein Autogramm von ihnen zu besorgen - damit jedenfalls endet der Artikel aus der Celleschen Zeitung vom 19. August 1939:

[...] und von allen Seiten lispelt es liebreich und verschämt: „Ach bitte, bitte ein Autogramm!“ Seufzend zückte Hans-Adalbert seinen Füller und schrieb und schrieb, bis der Tintenvorrat erschöpft war. [...]

Übers Wochenende nutzen viele Celler die Gelegenheit, sich zum Drehort zu begeben und dem regen Treiben einmal ganz nah zu sein. Der Redakteur Walter Redlich berichtet darüber am Montag, 21. August 1939, unter der Überschrift „Kleine Völkerwanderung nach Offensen“:

Laubfrosch und Barometer haben sich jetzt für längere Zeit auf „Schön Wetter“ eingestellt. Lange hat der Sommer gezaudert, aber jetzt dehnt sich der Himmel in wolkenloser Bläue, und die Sonne funkelt, daß die Teerdecken der Straßen butterweich werden, und alles, was da kreucht und fleucht, nach Kühlung lechzt.
Am gestrigen Sonntag herrschte eine fast tropische Hitze. Sie kam den Filmleuten von der „Ufa“ am Bahnhof Offensen gerade recht, denn die afrikanisch maskierte Landschaft am Schienenstrang des Kongo-Expreß brauchte auch eine afrikanische Sonne. Weniger recht war das den vielen Schaulustigen, die von den umliegenden Ortschaften und Celle nach dem Schauplatz der Aufnahmen eilten. Schon am frühen Vormittag sah man die Stahlroß-Karawanen auf den Landstraßen, und am Nachmittag setzte eine regelrechte Völkerwanderung ein. Familienweise gruppiert, zogen die Radfahrerkolonnen dahin, und auf den schmalen Fahrstreifen der Feldwege herrschte manchmal ein beängstigendes Gedränge.
Bahnpolizei sperrte das Aufnahmegelände ab. Es ist ja selbstverständlich, daß im Bildfeld der Aufnahmekamera, mitten zwischen Palmen und Urwalddickicht, nicht unvermittelt der Kopf eines braven Heidjers oder eines neugierigen, blonden Dreikäsehochs erscheinen darf, denn das wäre keinesfalls milieugerecht. Also mußten sich die Zuschauer auf einige freigegebene Durchblicke zusammendrängen. Sie wurden aber trotzdem für die Mühen und den Schweiß der Anfahrt reich belohnt, denn was sie zu sehen bekamen, war wirklich nicht alltäglich. In schneller Fahrt brauste der „Kongo-Expreß“ über die Schienen. Ein schnittiger Doppeldecker überholte ihn und umkreiste die Lokomotive, um Notsignale zu geben. Diese Szene wurde vom Zuge aus gefilmt, und zwar saß ein Kameramann eng an den Kessel der Lokomotive geschmiegt, sich und seine Kamera schwarz getarnt, um nicht im Bild einer zweiten Kamera, die vom Zugende aus Aufnahmen machte, hervorzustechen.
Die Aufnahme mit Expreß und Flugzeug füllte den ganzen Sonntag aus. Für die Männer vom Film war es ein heißer und anstrengender Arbeitstag, der an die ganze Arbeitsgemeinschaft, vom Produktionsleiter bis zum letzten Mann vom Bau, hohe Anforderungen stellte. Angenehmer war es schon für die Komparsen, die am Morgen aus der Mitte der Schaulustigen ausgewählt und in schöne Uniformen mit Tropenhelmen gesteckt wurden. Sie durften mit dem Zuge fahren und aus den Fenstern schauen. Das schöne Erlebnis werden sie wahrscheinlich in ihrem ganzen Leben nicht vergessen, und im Kreise Celle wird noch nach vielen Jahren ein Junge oder Mädel mit Stolz sagen: „Großpapa war einmal Filmschauspieler!“


Weiter geht die Berichterstattung über den Filmdreh am Mittwoch, 23. August 1939. Auf Seite 5 der Celleschen Zeitung von diesem Tage erfährt man Folgendes:

Station Lukanga. Willy Birgel im Offenser Aufnahmegelände.
„Lukanga“ steht auf einem kleinen Schild vor einem primitiven Stationsgebäude aus Balken und Bretterwerk geschrieben. Grell scheint die Sonne auf die weißgetünchten Wände, unbewegt stehen die Palmenwipfel, und die Luft über den Schienen flimmert vor Hitze. Es ist afrikanischer denn je am Bahnhof Offensen. 
„Lukanga“ ist eine kleine Station irgendwo im Kongogebiet. Auf Baumstämmen sitzen einige Kolonialoffiziere und Farmer, mit Khaki oder weißem Flanell bekleidet und die Tropenhelme in das Genick geschoben. Die Gesichter sind gebräunt, aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man in ihnen waschechte Cellenser. Es sind die Komparsen, von der Ufa für die Aufnahmen angeheuert. Sie sind aber diesmal nicht dran und dürfen sich ungestört in ihre neue Rolle hineinleben. Die Szene verlangt jetzt exotische Komparsen, Eingeborene. Neger und Mischlinge klettern aus dem Eingeborenen-Abteil des Expreßzuges und bevölkern das Bahnhofsgelände. Männer, Frauen und Kinder in buntem Durcheinander, in lose Tücher oder billige Kleidchen gehüllt, ganz so, wie in Afrika. 
Zum ersten Male tritt bei diesen Außenaufnahmen Willy Birgel in Aktion. Kamera und Mikrophon sind in Stellung gebracht, Regisseur und Aufnahmeleiter haben Ordnung geschaffen und ein milieugerechtes Bild entstehen lassen. Eingeborene Lastenträger schleppen große Warenballen, zwei Frauen mit Glutaugen und rabenschwarzem Haar stehen vor dem Stationsgebäude, noch einmal hat der Aufnahmeleiter die Zuschauer ermahnt, jedes Sprechen und Räuspern zu unterlassen, da ruft der Regisseur zur Aufnahme. Um die Ecke des Stationsgebäudes keucht ein Fordwagen und bleibt mit quietschenden Bremsen vor dem Hause stehen. Neugierig treten die beiden Frauen hinzu, aber ohne auf sie zu achten, springt der Fahrer Viktor (Willy Birgel) aus dem Wagen und eilt mit einer Handtasche auf die Tür des Stationsgebäudes zu. [...]

Eine Filmszene vom Drehort am Offenser Bahndamm


Am Donnerstag, 24. August 1939, wurde eine der wichtigsten Szenen in Offensen gedreht. Dazu schreibt Walter Redlich an darauf folgenden Tag unter der Überschrift „Dramatik am Schienenstrang“:

Ein großer Filmtag mit dem „Kongo-Expreß“
Der Film ist nach einem Zug benannt, und darum ist es klar, daß in der Handlung einem Zuge besondere Bedeutung zukommt. Hier wird er zu einer unerhörten dramatischen Steigerung des Geschehens benutzt, wie wir schon kurz aus dem Handlungsverlauf berichtet haben.
Gestern war Großkampftag in Offensen. Der pralle Sonnenschein mußte genutzt werden. Am Nachmittag konnten die Zuschauer bei dem Übergangswege am Palmenwäldchen sensationelle Aufnahmeszenen erleben. Dicht an den Schienen war die Kamera aufgebaut worden, wenige Meter vor dem Flugzeug, das zwar ausgedient hatte und abgewrackt war, aber dennoch einem ganz besonderen Verwendungszweck zugeführt werden sollte.
Diesmal mußten die Zuschauer noch weiter zurücktreten. Am Schauplatz der Handlung selbst waren Celler Feuerwehrmänner zu finden, die einige Schlauchleitungen herangeführt hatten und sie löschbereit hielten. Endlich waren die Vorbereitungen zur Aufnahme abgeschlossen. Der Aufnahmeleiter winkte, das Signal wurde an den hinter der Kurve haltenden „Kongo-Expreß“ weitergegeben, und dann hörte man in der Ferne den Pfiff der Lokomotive: Abfahrt! Fauchend kam sie heran, da stießen Männer das schräggestellte Flugzeug über die Schienen und zündeten es an. Hohe Flammen schlugen aus dem Rumpf, mit gewaltigem Zischen bremste die Lokomotive und hielt, knapp vor den brennenden Flugzeugtrümmern. Szene aus!
Die Feuerwehrmänner löschten das Flugzeug ab. Es war nach der sehr strapaziösen Behandlung noch wracker geworden, mußte sich jedoch wiederum notdürftig zurechtbiegen lassen, damit die Aufnahme wiederholt werden konnte.
Wieder kam der „Kongo-Expreß“ angebraust, stürzte das Flugzeug brennend über die Schienen. Eine Kleinigkeit später bremste der Zug, so daß der Schienenräumer den Flugzeugrumpf noch einige Meter vor sich herschob. So war das Bild in Ordnung, jetzt der Gegenzug in Szene. Hierzu genügte eine weitere Lokomotive, die knapp vor der Unfallstelle durch die aufgeregten Insassen des Expreßzuges zum Stehen gebracht wurde. 
Wenn wir den Film im Lichtspielhaus sehen werden - Mitte Dezember etwa soll er fertig sein -, dann erleben wir mit diesen Szenen einen dramatischen Höhepunkt der Handlung: der Zusammenstoß zweier Züge scheint unvermeidlich. Ein Flugzeugpilot opfert sich, um die Katastrophe zu verhindern. Er kommt dabei ums Leben, aber das fast unvermeidlich scheinende wird in letzter Sekunde verhütet.



Dies ist der letzte Bericht der Celleschen Zeitung über die Dreharbeiten. Am Mittwoch, 30. August 1939, erschienen noch einmal zwei große Fotos unter der Überschrift „Rast nach Mondombes Hitze“: zum einen „Die Filmschaffenden bei der Mittagsrast in Wienhausen“, zum anderen „Willy Birgel und Regisseur von Borsody im Gespräch“. Leider sind diese Aufnahmen, wie schon erwähnt, nicht mehr reproduzierbar.

In den folgenden Tagen und Wochen machen andere Ereignisse Schlagzeilen, denn nur zwei Tage nach dem Erscheinen dieser idyllischen und friedlichen Fotos mit den Schauspielstars, am 1. September 1939, beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Nachdem die Filmleute also ihre Arbeit in Offensen erledigt hatten, folgten noch weitere Außenaufnahmen für den „Kongo-Express“ auf dem Flugplatz Trebbin in Brandenburg, sowie weitere Studiodrehs bis Ende Oktober 1939 in der Ufastadt Neubabelsberg. Am 15. Dezember 1939 hat der „Kongo-Express“ schließlich Uraufführung im Berliner „Ufa-Palast am Zoo“.



Trotz der Kriegsgeschehnisse läuft der Film schon wenig später auch im Aus- und Feindesland, so startet er im April 1940 in Dänemark, im Mai 1940 in den USA, und Ende Oktober 1941 in Schweden.
Nach dem Krieg, Ende 1949, kommt der „Kongo-Express“, in einer um zwei Minuten gekürzten Fassung, noch einmal in die deutschen Kinos. Seitdem ist es still um diesen Film geworden; nur in den 1990er Jahren wurde eine Videoversion (VHS-Kassette) in kleiner Auflage produziert. Bis heute gibt es keine DVD.







Quellen: Text „Kongo-Expreß und Urwalddorf Mondombe in der Heide“ von Hans-Jürgen Tast aus „Celler Chronik 16“, Seiten 143-154; Artikel aus der Celleschen Zeitung wie angegeben.

Freitag, 16. März 2012

Web-Tipp...

Wer sich für LostPlaces interessiert, der wird diese wunderbare Galerie von Andre Govia lieben. Ich habe sie zufällig entdeckt und möchte sie gern weiter empfehlen. Hier einige Beispiele:

Fotos: Andre Govia

Mittwoch, 22. Februar 2012

Das „Eierhäuschen“ in Berlin-Treptow


Wenn man heute am Treptower Spreeufer, am Rande des Plänterwaldes entlang geht, kommt man unweigerlich an zwei historisch bedeutsamen Orten vorbei. Da ist zum einen der ehemalige Freizeitpark, der seit der Jahrtausendwende in einen Dornröschenschlaf gefallen ist. Das riesige Areal ist umzäunt und darf nicht betreten werden, man kann es jedoch sehr gut zu Fuß umrunden und dabei viele der einstigen Attraktionen erspähen. Hier sei vor allem das Riesenrad genannt, das den Park seit dem 40. Jubiläum der DDR weithin sichtbar überragt. Wer sich für den Spreepark Plänterwald interessiert, findet dazu hier weitere Informationen.

Der andere vergessene Ort ist das „Eierhäuschen“. Ein wenig hinter den großen, alten Bäumen verborgen, etwas weiter vom Ufer entfernt, steht ein imposantes Gebäude mit markanter Architektur. Aus der Entfernung offenbart sich der desolate Zustand dieses Hauses nicht sofort, dafür sticht aber auch hier der unschöne Bauzaun ins Auge. Aus der Nähe betrachtet, werden die Schäden eines langen Leerstandes sichtbar…

Das Eierhäuschen im Februar 2012
Zu seiner Blütezeit war das „Eierhäuschen“ ein beliebtes und nicht unbedeutendes Berliner Ausflugslokal, dessen Anfang auf eine kleine Schifferkneipe zurückgeführt wird, die in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem ehemaligem Gutsacker hinter dem Kienwerder aus dem Wächterhäuschen, einer Holzablage an der Spree, entstand.

Zur weiteren Geschichte erfährt man aus der Broschüre „PRO Plänterwald“:

[…] War es zunächst nur von der Wasserseite besucht, unternahmen bald immer mehr Treptower Gäste einen Waldspaziergang dahin, zu einem romantisch gelegenen, alters-schwachen Häuschen, das von noch älteren Weiden und Pappeln beschattet wurde. Am 31. Juli 1869 brannte es ab. Daraufhin erließ der Berliner Magistrat dem Pächter die Abgaben für anderthalb Jahre unter der Bedingung, dass er den Neubau auf eigene Kosten durchführe und ihn nach Ablauf des Vertrages der Stadt überlasse. Gemäß diesem Abkommen ging das Eierhäuschen 1876 für 17.000 Mark in den Besitz der Stadt Berlin über. Aber auch der vom Pächter ausgeführte Neubau fiel 1890 einem Brand zum Opfer. An gleicher Stelle wurde 1892 der noch heute stehende Massivbau errichtet. Bis 1960 war das Restaurant geöffnet. Danach wurde es zweckentfremdet genutzt. 1973, anlässlich der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten entschloss man sich, es wenigstens teilweise wieder seiner eigentlichen Bestimmung zurückzugeben.
Danach verfiel das Gebäude zusehends, obwohl es 1978 unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1990 wurde es endgültig geschlossen. […]

Ansichtskarte aus dem Jahr 1899
Ansichtskarte aus dem Jahr 1900
Zur Entstehung des seltsamen Namens des Lokals existieren zwei Theorien: entweder weil der Wächter der Ablage nebenbei Eier an die Spreeschiffer verkaufte, oder weil der Preis beim jährlichen Anrudern auf der Spree aus einem Schock (=5 Duzend) Eier bestand [andere Quellen geben als Preis 1 Mandel (=15 oder 16 Stück) Eier an], der dem Sieger vom Wirt überreicht wurde. Es ist also nicht vollkommen geklärt, weshalb die Spreeschönheit so sonderbar benamst, wie es bei Theodor Fontane heißt.
Fontane übrigens ist nicht ganz unschuldig an der Bekanntheit des „Eierhäuschens“, denn es ist Schauplatz eines Kapitels in seinem Roman „Der Stechlin“, der in den Jahren 1895 bis 1897 entstand. Somit gehen Fontanes Schilderungen auf die heute noch existierende dritte Version des „Eierhäuschens“ zurück, die, wie bereits erwähnt, 1891/1892 nach Entwürfen von Karl Frobenius erbaut wurde.


Lassen wir uns doch kurz in diese Zeit zurückfallen, indem wir den Schilderungen Fontanes folgen (aus „Der Stechlin“, 14. Kapitel):
[…] „Es ist doch weiter, als ich dachte“, sagte Melusine. „Wir sind ja schon wie in halber Einsamkeit. Und dabei wird es frisch. Ein Glück, daß wir Decken mitgenommen. Denn wir bleiben doch wohl im Freien? Oder gibt es auch Zimmer da? Freilich kann ich mir kaum denken, daß wir zu sechs in einem Eierhäuschen Platz haben“.
„Ach, Frau Gräfin, ich sehe, Sie rechnen auf etwas extrem Idyllisches und erwarten, wenn wir angelangt sein werden, einen Mischling aus Kiosk und Hütte. Da harrt Ihrer aber eine grausame Enttäuschung. Das Eierhäuschen ist ein sogenanntes „Lokal“, und wenn uns die Lust anwandelt, so können wir da tanzen oder eine Volksversammlung abhalten. Raum genug ist da. Sehen Sie, das Schiff wendet sich schon, und der rote Bau da, der zwischen den Pappelweiden mit Turm und Erker sichtbar wird, das ist das Eierhäuschen“.
„O weh! Ein Palazzo“, sagte die Baronin und war auf dem Punkt, ihrer Mißstimmung einen Ausdruck zu geben. Aber ehe sie dazu kam, schob sich das Schiff schon an den vorgebauten Anlegesteg, über den hinweg man, einen Uferweg einschlagend, auf das Eierhäuschen zuschritt. Dieser Uferweg setzte sich, als man das Gartenlokal endlich erreicht hatte, jenseits desselben noch eine gute Strecke fort, und weil die wundervolle Frische dazu einlud, beschloß man, ehe man sich im „Eierhäuschen“ selber niederließ, zuvor noch einen gemeinschaftlichen Spaziergang am Ufer hin zu machen. Immer weiter flußaufwärts. […]

Und weiter im 15. Kapitel:

[…] Unsere Landpartieler waren im Angesicht von Spindlersfelde nach dem Eierhäuschen zurückgekehrt und hatten sich hier an zwei dicht am Ufer zusammengerückten Tischen niedergelassen, eine Laube von Baumkronen über sich. Sperlinge hüpften umher und warteten auf ihre Zeit. Gleich danach erschien auch ein Kellner, um ihre Bestellungen entgegenzunehmen. Es entstand dabei die herkömmliche Verlegenheitspause; niemand wußte was zu sagen, bis die Baronin auf den Stamm einer ihr gegenüberstehenden Ulme wies, darauf „Wiener Würstel“ und daneben in noch dickeren Buchstaben das gefällige Wort „Löwenbräu“ stand. In kürzester Frist erschien denn auch der Kellner wieder, und die Baronin hob ihr Seidel und ließ das Eierhäuschen und die Spree leben, zugleich versichernd, „daß man ein echtes Münchener überhaupt nur noch in Berlin tränke“.  […]

Ansichtskarte um 1900
Soweit also die Beschreibung des „Eierhäuschens“ aus Fontanes „Der Stechlin“. Doch das „Eierhäuschen“ ist den Berlinern schon viel früher ein Begriff, so erfährt man z. B. aus dem „Reisetaschenbuch für Berlin“ von L. Freiherr von Zedlitz aus dem Jahre 1831 über das erste „Eierhäuschen“ Folgendes:
„Eierhäuschen, (das), heisst ein Etablissement des Kowski an der Spree, unfern Treptow, in einem sehr lieblichen Wiesen- und Waldgrunde; früher war hier eine Schiffsablage.“


20 Jahre darauf ist in Alexander Cosmar’s „Neuester und vollständigster Wegweiser durch Berlin und Potsdam für Fremde und Einheimische“ zu lesen:
„Das Eierhäuschen, ein bescheidenes Etablissement an der Spree, hinter Treptow, gewöhnlich das Ziel von Wasserpartieen.“


Zu dieser Lageskizze ist Folgendes vermerkt: „Weiter nach Osten hin liegt, an dem in nächster Zeit dem Publicum zu eröffnenden Plänterwald, das sogen. Alte Eierhäuschen, 1892 in der jetzigen Form errichtet. Es enthält in dem Hauptgebäude eine größere Wirthschaft sowie im Obergeschoß Zimmer zur Aufnahme von Sommergästen. Eine bedeckte Halle schließt mit dem Hauptgebäude einen großen, längs der Spree sich hinziehenden Garten ein.“


Um diesen Ausflug in die Literatur abzuschließen, zitiere ich noch einen Brief von Theodor Fontane an seine Tochter Martha, den er am 11. Juli 1884 geschrieben hat (aus „Theodor Fontane und Martha Fontane – Ein Familienbriefnetz“ von Regina Dieterle):
„Berlin 11. Juli 84. Meine liebe Mete. Hoffentlich ist Dir die Partie gut bekommen (ich schreibe, eh Mama zurück ist) und diese Zeilen finden Dich in guter Stimmung und Gesundheit. „Eierhäuschen“ hat für eine Abendpartie etwas Anheimelndes und ich sehe am Wasser hin weißgedeckte Tische stehn, auf denen das Schnittlauch-Rührei lacht. Theo’n hab‘ ich in Toast-Verdacht und kann nur wünschen, daß das Eierhäuschen sich neben Pichelswerder, die Spree neben der Havel behauptet. […] Papa.“

Ansichtskarte ca. 1905
Ansichtskarte ca. 1910

Im Jahre 1902 wurde das Gebäude um einen Saal und eine Veranda erweitert, und in diesem Zustand bis ins Jahr 1960 hinein als Ausflugslokal genutzt. Danach wurde es zweckentfremdet und diente z. B. zeitweise als Requisitenkammer des Fernsehfunks.

Das Eierhäuschen im April 1960

1969 entstand in direkter Nachbarschaft zum „Eierhäuschen“ der Vergnügungspark „Kulturpark Plänterwald“. Dieser Nachbarschaft ist es wohl zu verdanken, dass man sich zwischen 1970 und 1973 auch dem „Eierhäuschen“ annahm und es in Teilen rekonstruiert und umgebaut hat. Von nun an gehörte das Ausflugslokal mit zur Liegenschaft des „VEB Kulturpark Berlin“, obwohl es außerhalb dessen Umzäunung lag. Und genau dieser Sachverhalt hat bis heute fatale Folgen für das „Eierhäuschen“.

1991 wird der „VEB Kulturpark Berlin“ durch den Berliner Magistrat abgewickelt und die „Spreepark Berlin GmbH“ wird neuer Eigentümer, deren Geschäftsführer ist Norbert Witte. In den nun folgenden acht Jahren baut Witte den Vergnügungspark schrittweise zu einem Freizeitpark nach westlichem Vorbild um, muss jedoch 1999 Insolvenz anmelden.

Der Freizeitpark ist seit 2002 nicht mehr für Besucher geöffnet und verwahrlost seitdem. Durch die Zuordnung zur Liegenschaft Spreepark ereilte auch das „Eierhäuschen“ das gleiche Schicksal. Eine vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Herauslösung der Immobilie aus dem insolventen Spreepark wurde seitens des Berliner Senats nicht umgesetzt, da man sich so größere Vermarktungschancen für die Spreepark-Fläche erhofft.

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin will sich nun dafür einsetzen, dass erneut geprüft wird, wie ein separater Verkauf des „Eierhäuschens“ realisiert werden kann, da das denkmalgeschützte Gebäude immer weiter verfällt und wohl schon bald nicht mehr zu sanieren sein wird.

Das Eierhäuschen im Februar 2012
Bleibt zu hoffen, dass das „Eierhäuschen“ diese letzte Chance bekommt, und dass es dann wieder im neuen, alten Glanz erstrahlt!

Zum Schluss nun doch noch ein letztes Zitat aus der Literatur, diesmal aus dem Roman „Krokodil im Nacken“ von Klaus Kordon (2002):
[…] Ihr Lieblingsplatz aber war die längst außer Betrieb genommene  Dampferanlegestelle vor dem Alten Eierhäuschen, einem über Generationen hinweg sehr beliebten, inzwischen halb zerfallenen und seit ewigen Zeiten geschlossenen Ausflugslokal am Plänterwald. Ob Sommer oder Winter, stundenlang standen sie eng umschlungen auf der alten Anlegebrücke und sahen zu den Lichtern vom Kraftwerk Klingenberg hinüber, die sich in der nachtschwarzen Spree widerspiegelten. War es eine wolkenlose Nacht, blinkten am Himmel so ungeheuer viele Sterne, dass sie das Staunen überkam. […]


Die beiden Giebel mit dem Namen und dem Berliner Wappen
Die Rückseite des Gebäudes

Zerstörte Fenster, Februar 2012
Die Infotafel am Gebäude

Weitere sehr interessante Bildergalerien zum „Eierhäuschen" findet man hier: Verfallendes, hier: Berliner-Spreepark und hier: modernruins.

Quellen: Wikipedia; modernruins.de; beermannkiez.de; pro-plaenterwald.de; Fotos: eigene (Februar 2012)

Mittwoch, 25. Januar 2012

Update - Das Landhaus Schelploh

Zum Bericht über das Landhaus Schelploh gibt es jetzt einige neue Fotos, außerdem wurde der Text ein wenig überarbeitet und neu strukturiert. Viel Spaß bei der (erneuten) Lektüre!

Das Landhaus Schelploh

Sonntag, 22. Januar 2012

Update: Das Schloß in Eldingen

Zum Bericht über das Schloß in Eldingen gibt es viele neue Fotos und Informationen - es lohnt sich also noch einmal nachzulesen!