Sonntag, 5. November 2017

Twin Towers

Die „Twin Towers“ in Bergen

Hinter den Dächern der neuen Einfamilien- und Reihenhäuschen türmen sich zwei Hochhäuser auf. Achtgeschossig. Hässlich. Leer. Die Fassadenplatten sind schmutzig und an manchen Stellen mit Steinen eingeworfen, die Fenster des Erdgeschosses sind mit Holzplatten vernagelt. Seitdem die Briten weg sind, stehen in Bergen, einer 13.000-Einwohner-Stadt im Landkreis Celle, hunderte Wohnungen leer.

Die beiden Hochhaustürme, von der lokalen Presse als „Twin Towers von Bergen“ betitelt, ragen wie Fremdkörper aus der Wohnsiedlung in der Danziger Straße. Die Namen der einstigen Bewohner sind von den Klingelschildern gekratzt. In einem Vorgarten mahnt noch ein verwittertes Schild englischsprachige Kinder, nicht auf dem Rasen zu spielen: „Unauthorised Play Area“, steht darauf. Das Viertel wirkt wie eine Geisterstadt, obwohl vor einigen Häusern Autos parken und Gardinen vor den Fenstern hängen. Nicht alle Häuser stehen leer.

Als sich im November 2014 die 7. britische Panzerbrigade in Bergen mit einer Militärparade verabschiedete, gingen die Soldaten und nahmen auch ihre Familien mit. Insgesamt verließen rund 10.100 Menschen die Region. Während die dreistöckigen Backsteinbauten in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Hochhaustürmen inzwischen einen Investor gefunden haben, werden die „Twin Towers“ nun nach jahrelangem Leerstand abgerissen. Starttermin für die Abbrucharbeiten ist der 6. November 2017.

Die folgenden Fotos sind am 4. November 2017 entstanden.































Quellen: Fotos eigene (4. 11. 2017); Textinfos aus „taz“ vom 4. 9. 2017 und Cellesche Zeitung vom 2. 11. 2017.

Montag, 26. Juni 2017

Der eiserne Sitz - Das Bahlsen'sche Jagdhaus

Unweit von Wettmar, in der Gemarkung Thönse, trifft man mitten im Wald auf ein sehr außergewöhnliches Bauwerk aus Eisen, das an einer kleinen Lichtung auf rund 5 Meter hohen Stelzen thront. Es handelt sich um ein Jagdhaus, das im Volksmund „Der eiserne Sitz“ genannt wird. Bauherren waren die Familien Bahlsen und Tischbein (Link), die in der Region fest verwurzelt und der Jagd durchaus zugetan waren.

„Der eiserne Sitz“ - das Jagdhaus der Familie Bahlsen

Vermutlich in den 1940er Jahren wurde dieses Jagdhaus erbaut. Ein Nachkomme einer am Bau beteiligten Familie weiß zu berichten, dass für die Errichtung des Jagdhauses ein sehr großer Aufwand betrieben wurde. Allein das Heranschaffen des Baumaterials war harte Arbeit. Der Großvater war Jagdaufseher bei der Familie Bahlsen und hatte eine Lichtung gerodet, um dort Mais als Lockmittel für die Wildschweine anzubauen. Weiter wird berichtet, dass das Haus innen sehr gut ausgestattet war. Es gab Betten, eine Küche, Waschmöglichkeit und sogar eine Toilette. Doch das Haus diente nicht nur jagdlichen Zwecken, es sollen dort auch etliche Partys gefeiert worden sein, etwa nach den Schützenfesten. Neben der Garage gab es in den frühen Jahren sogar einen Swimmingpool, der jedoch zugeschüttet wurde, als das Haus nicht mehr genutzt wurde.




Die ebenerdig errichtete Garage

Alter Bakelit-Lichtschalter, Fundamentfragmente

Heute steht das alte Jagdhaus ohne Funktion und fast völlig vergessen einsam im Wald. Da die Leiter, die einst zu der oberen Etage führte, schon vor langer Zeit verrottet ist oder entfernt wurde, kann man das Innere des Hauses nicht mehr betreten. Das Metall verliert nach und nach seinen schützenden grünen Anstrich und erlaubt damit dem Rost sein zerstörerisches Werk zu vollführen. So wird das alte Jagdhaus sicher noch ein paar Jahre im Wald bei Thönse zu bestaunen sein, bis dann irgendwann sein Ende gekommen ist.

Standort des Jagdhauses

Quellen: Fotos eigene (September 2011); Hinweise zur Geschichte des Jagdhauses stammen aus Kommentaren zu einem früheren Post über dieses Bauwerk und aus der Schilderung eines Nachkommens von Zeitzeugen aus der Bau- und Frühzeit des Gebäudes. Kartenausschnitt (Screenshot) von geolife.de/navigator.

Freitag, 5. Mai 2017

Die Verladerampe

Südlich von Unterlüß, im Jagen 305, befindet sich ein ca. 140 Meter langes Relikt aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs: Die Verladerampe des Marinesperrzeugamtes Starkshorn.


Die Produktionsstätten und Lagerbunker des Marinesperrzeugamtes waren über ein dichtes Feldbahngleisnetz (mit einer Spurweite von 64 Zentimetern) untereinander verbunden. Dieses Gleis endete südlich von Unterlüß an einer Verladerampe. Hier wurden die in Starkshorn montierten Seeminen auf die Reichsbahn umgeladen, gleichzeitig fand hier aber auch die Anlieferung der von der Industrie gefertigten Einzelteile für die Produktion statt.

Informationen zum Marinesperrzeugamt findest Du hier: Das Marinesperrzeugamt Starkshorn. Es folgen Aufnahmen der Rampe aus dem Februar 2015.





















Die Überreste einer Kabelschelle aus den 1930er Jahren


Das nördliche Ende der Rampe

Im nördlichen Teil ist die Rampenoberfläche weitläufig zerstört, vermutlich wurde hier gesprengt





Quellen: Fotos eigene (Februar 2015); Informationen zur Rampe stammen aus dem Heft "Was wir tun, ist nicht gerade zum Guten" von Joachim Gries und Joachim Hoppe.