Montag, 4. Januar 2010

Der Grenzbahnhof Hermsdorf in Böhmen


Direkt hinter der heutigen Grenze zwischen Polen und Tschechien (ehemalige Grenze zwischen Sachsen und Böhmen) befindet sich der Grenzbahnhof Hermsdorf. Auch heute noch sind die imponierenden Ausmaße dieses Bahnhofs zu erkennen: das dreigeschossige Bahnhofsgebäude mit dem ehemaligen Grenzzollamt, ein Lokschuppen, Güterschuppen und umfangreiche Gleisanlagen.


Im Jahre 1884 entstand in Sachsen eine Schmalspurbahn, die von Zittau über Reichenau nach Markersdorf führte. Schon bald entstanden Pläne, diese Linie bis Friedland (in Böhmen) fortzuführen. In Sachsen wurde die Strecke im Jahre 1900 bis zum gemeinsamen Grenzbahnhof im böhmischen Hermsdorf verlängert.


Von Hermsdorf führte eine Schmalspurbahn nach Friedland mit einer in Österreich-Ungarn einmaligen Spurweite von 750 mm. Reisende, die von Reichenau nach Friedland fahren wollten, mussten in Hermsdorf umsteigen, bei Güterzügen wurden Lokomotive und Personal gewechselt. Regelmäßige durchgehende Personenzüge gab es weder nach 1918 noch nach der Annektierung des Sudetenlandes 1938, als die Strecke der Reichsbahndirektion Dresden unterstellt wurde.


Nach 1945 kam die Strecke zur CSD. Wegen Unrentabilität wurde der Verkehr am 22. September 1947 zunächst eingestellt. Am 28. Mai 1951 wurde der Güterverkehr zur Bedienung eines Steinbruches in Hermanice (Hermsdorf) wieder aufgenommen. Ab 14. Juli 1957 verkehrten dann auch wieder Reisezüge. Der Gütertransport auf der Strecke wurde am 13. Juni 1964 wieder eingestellt, da die aus der Anfangszeit der Bahn stammenden Gleisanlagen mittlerweile zu verschlissen waren. Die letzten Reisezüge verkehrten am 13. Januar 1976. In den Folgejahren war die Strecke auch weiterhin noch im Kursbuch der CSD enthalten, alle Züge verkehrten als Schienenersatzverkehr mit Bussen der CSAD.


Die offizielle Stilllegung der Strecke erfolgte 1984. Die Gleise wurden 1997 abgebaut. Seitdem verfallen auch die Gebäude auf dem Bahnhofsgelände zusehends...

Quelle: u. a. Wikipedia