Mittwoch, 2. Dezember 2009

Die ehemaligen Ortschaften auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Belsen

Ein Geheimtipp war die Heidmark schon vor 120 Jahren. Hier befinden sich z.B. die "Sieben Steinhäuser", die großen 4000 Jahre alten Megalith-Gräber. Auch legte der Bremer Reeder Friedrich Mißler 1895 bei Achterberg ein Feriengebiet für Sommerfrischler aus Hamburg, Bremen und Hannover an.


Die militärische Nutzung dieses Gebiets begann bereits im 19. Jahrhundert, als die Königlich-Hannoversche Armee zwei Exerzierplätze im Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes nutzte. Diese waren aber vergleichsweise winzig gegen die Fläche der Gegenwart - Bergen ist heute mit ca. 28.400 ha der größte Truppenübungsplatz in Europa.

Die Wehrmacht griff 1934 zu, denn die sanften Hügelketten waren genau das, was Panzergeneral Heinz Guderian für die Ausbildung suchte. Im August desselben Jahres begannen die Vorbereitungen für den Aufbau des Platzes, 1935 folgte die schrittweise Inbesitznahme der Ländereien. 24 Dörfer und Einzelsiedlungen wurden für den Platz aufgegeben und mit ihnen rund 3.650 Einwohner trotz aller Proteste umgesiedelt. Dazu lässt sich Folgendes finden:


Am 15. September 1934 erreichte die Kunde von der Errichtung eines Truppenübungsplatzes die Bauern der Ostheidmark. Eine "Umsiedlung" der ortsansässigen Bevölkerung stand an.
Am 1. Oktober 1934 versammelten sich die von der Umsiedlung betroffenen Bauern am Platz „Die Sieben Steinhäuser“ zu Beratungen. Eine dort gewählte Abordnung fuhr noch am gleichen Tag nach Goslar, später auch nach Berlin um dem "Reichsbauernführer" die Bedenken am folgenden Tag vorzutragen. Das geschah auch, aber ohne Erfolg.
Am 18. März 1935 fuhren dann mehr als achtzig Bauern der Ostheidmark nach Berlin, um Gewissheit über ihre und ihrer Höfe Zukunft zu erlangen. Auch diese Fahrt führte die Bauern nicht zu dem von ihnen gewünschten Erfolg. Sie hatten sich damit abzufinden, ihre seit Jahrhunderten angestammte Heimat zu verlassen.
So wurden gezwungenermaßen Verkaufsverhandlungen über den Besitz geführt und neue Höfe gesucht. Viele, viele Wege waren notwendig, um eine neue und zur jeweiligen Familie passende Heimat zu finden.

Unter anderem die Orte Hörsten, Höppenstedt, Hohne, Hasselhorst, Hohnerode, Manhorn, Lohe, Gudehausen, Ostenholz, Ettenbostel, Oberndorfmark, Oberhode, Benhorn, Hartem, Fahrenholz, Böstlingen, Pröbsten, Kolk, Kronsnest, Südbostel, Nordbostel, Oerbke, Obereinzingen, Untereinzingen, Achterberg und Wense verschwanden von der Landkarte. Das traditionelle Land der Heidebauern und -bäuerinnen wurde Militärgelände.

Am 4. Mai 1936 konnten in einzelnen Abschnitten bereits Schießübungen durchgeführt werden, ab 1. August 1938 wurde die gesamte seinerzeit eingerichtete Fläche für Übungen in Betrieb genommen. Die Arbeiter, die das Ostlager bauten, wurden in einem Barackenlager südlich der Baustelle untergebracht. 1938 zogen sie ab, das Lager diente danach als Waffendepot. Später wurde daraus das berüchtigte Konzentrationslager Bergen-Belsen.


Nach dem 2. Weltkrieg übernahmen die Briten die Anlage und nutzen zunächst nur den Ostbereich. Der ungenutzte Südwestbereich des Truppenübungsplatzes wurde 1946 zur Besiedlung durch Flüchtlinge freigegeben. Doch bereits 1947 wurden sie erneut umgesiedelt, denn der Truppenübungsplatz dehnte sich weiter aus.

Zwischen 1958 und 1960 richtete die Truppenübungsplatzkommandantur diverse Biwakplätze und befestigte Versorgungspunkte an den Rändern des Platzes ein, sie wurden mit Namen von Orten aus ehemals deutschen Ostgebieten versehen. Die aufgegebenen Ortschaften und Gehöfte im Gebiet des Übungsplatzes sind in der Nachkriegszeit nahezu komplett geschliffen worden. Lediglich einzelne Objekte, die von der Bundeswehr als Lager genutzt werden können, blieben erhalten. In Bad Fallingbostel erinnert heute das Freilichtmuseum "Der Hof der Heidmark" daran. Auch gelbe Ortsschilder wie "ehem. Südbostel" weisen auf die ausgelöschten Dörfer hin. Von manchen Landsitzen wie Gut Achterberg zeugen nur noch Alleen oder steinerne Pfosten der Eingangstore. Andere werden heute von den Briten genutzt wie Schloss Bredebeck.





Achterberg
1894/95 kaufte Friedrich Mißler (1858-1922) die Höfe Achterberg und Siemsglüß in der Gemeinde Obereinzingen im Kirchspiel Dorfmark. Hier baute er ein modernes Erholungshaus für kranke Kinder und Erwachsene aus Bremen. Dieses war von 1896 bis zum Ende des 2. Weltkrieges in Betrieb.


In der „Monatsschrift für soziale Medizin“ aus dem Jahr 1906 ist zu lesen:

"Ähnlich wie der Verein für Ferienkolonien hilft Herr F. Mißler mit zur Bekämpfung der Tuberkulose. Er hat in Achterberg bei Dorfmark und in Fallingbostel Erholungshäuser eingerichtet, die im Sommer Erwachsenen die Widerstandsfähigkeit kräftigen. In Achterberg bietet sich außerdem im Winter Gruppen von je 46 pflegebedürftigen Bremer Schulkindern je vier Wochen lang eine besonders gute Gelegenheit zur Stärkung."
Achterberg existiert heute - bis auf ein paar bauliche Reste (siehe Foto) - nicht mehr.


Oberndorfmark - Kronsnest
Kronsnest wurde bereits 1379 mit Henneke von dem Kronesneste erwähnt. Aus dem Jahre 1438 ist der Eggerd to deme Cronsneste überliefert. 1528 dann wird der Jurgen Kronsneste genannt. Der Name Kronsnest heißt soviel wie "Kranichnest"; der Kranich war einst in der Ostheidmark heimisch. Das ursprüngliche Kronsnest ist von der Landkarte verschwunden. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden 1936 "umgesiedelt", weil der Truppenübungsplatz errichtet wurde.



Zum Zeitpunkt der "Umsiedlung" blickte die Familie Kronsnest auf eine über 600jährige Familien- und Hofgeschichte zurück. Der alte Hof zum Kronsnest lag im Walde versteckt. Uralte Eichen und Buchen umgaben ihn. Mit 800 Morgen guter Forst war Kronsnest einer der besten Holzhöfe der ehemaligen Amtsvogtei Fallingbostel. Und die Kronsnest liebten ihren Wald, sie hegten und pflegten ihn, hatte dieser doch maßgeblich zu ihrem großen Wohlstand beigetragen.



Die Familie Kronsnest siedelte 1936 in die Gemeinde Hamwiede in der Nähe von Walsrode um. Sie bekamen dort einen Hof. Der Name Kronsnest wird an dem Ort, an dem die Familie Kronsnest 1936 neu siedelte, weitergeführt.


Die beiden Fotos zeigen den Hof Kronsnest wie er bis 1936 bestand und das ehemalige Kronsnest heute.




Oberndorfmark - Homannshof
Der Homannshof lag etwa 3km nördlich der sieben Steinhäuser und etwa 1km westlich des Tutenberges. Er gehörte mit den in der näheren Umgebung liegenden Höfen Kolk, Südbostel, Nordbostel, Osterbostel und Kronsnest zu Oberndorfmark und damit zum Kirchspiel Düshorn. Er galt als einer der wirtschaftlich mächtigsten Höfe der Heidmark. Mit 1.356 Morgen (339 ha) war er nur geringfügig kleiner als der größte Hof der Heidmark "Hanglüß".



Als der Hof 1936 nach 558 Jahren Eigenständigkeit aufgegeben werden musste, verteilten sich die 1.356 Morgen auf 932 Morgen Wald, 112 Morgen Acker, 36 Morgen Wiesen, 8 Morgen Hofraum und 268 Morgen Heideflächen.

[Quelle: www.gruenhagen-chronik.de]



Oberndorfmark - Der Brockhof
Der Brockhof lag etwa 3 km südwestlich vom Homannshof. Die Hofgröße betrug 533 Morgen, davon 13 Morgen Acker, 40 Morgen Wiesen, 200 Morgen Wald und 120 Morgen Heideflächen. Der Hof wurde 1936 nach Huttbergen bei Verden umgesiedelt.



[Quelle: www.gruenhagen-chronik.de]



Pröbsten
Pröbsten wurde urkundlich erstmals 1337 erwähnt. Es ist belegt, dass es ein Adelsgeschlecht von Pröbsten gab. In Pröbsten lebten Heidebauern. Ein Erwerbszweig war vermutlich auch die Heidschnuckenhaltung, die bis in das 19. Jahrhundert in dieser Gegend weit verbreitet war.

Pröbsten wurde gemeinsam mit den Dörfern Fahrenholz und Deil im Laufe der Zeit der Gemeinde Böstlingen zugeordnet. Zum Zeitpunkt der Umsiedlung 1935/36 lebten in Pröbsten 208 Einwohner.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden in den verbliebenen Gebäuden zunächst Heimatvertriebene untergebracht, bevor auch sie der Vergrößerung des Truppenübungsplatzes weichen mussten.



[Quelle: Wikipedia]

Die Belser Mühle und der Mühlenteich





[Quelle (teilweise) http://oelfke.wikia.com/wiki/Die_Heidmark]