Montag, 7. April 2014

Das Fort Mollinary am Gardasee

„Da wo die Etsch bei Volargne in die Ebene tritt, schieben sich von Westen her die untersten Felsenstufen des Monte Baldo Plateau von Rivoli, mit steilen Abstürzen dicht an die Etsch; ihnen gegenüber nicht minder steil erheben sich die Felscoulissen des Monte Pastello. Beide Felsenwände einander gegenübertretend bilden das Felsenthor der Chiusa veneta, so eng, daß kümmerlich der rauschende Strom, Strasse und Eisenbahn sich durchzwängen. Letztere beide sperrt das quer in die Thalsohle hineingelegte Fort von Ceraino ab, das Strasse und Eisenbahn, letztere mittelst einer Zugbrücke in sich aufnimmt. Das vorliegende Terrain beherrscht das auf steiler Höhe über Ceraino sich erhebende Fort Mollinary, und weiter hinten bestreichen das Fort Chlapady und Wohlgemuth das Plateau von Rivoli.“

Diese 1863 erschienene „militär-geografische Skizze“ von Max Biffart (aus „Venetien mit dem Festungsvierecke“), einem Oberlieutenant im K. Württembergischen 2. Infanterie-Regiment, beschreibt sehr schön die Situation des Ortes, an dem auch heute noch hoch über der Etsch die Überreste dieser gewaltigen Verteidigungsbauten stehen.

In diesem Beitrag geht es in erster Linie um das 1849-1852 gebaute Fort Mollinary (heute Forte Monte), das wir im Sommer 2013 besucht haben. 

Das Fort Mollinary (Forte Monte) aus der Vogelperspektive



Zu der Zeit als die Festungswerke gebaut wurden, gehörte der Landstrich zum Königreich Lombardo-Venetien, welches selbst bis 1866 Teil des Kaiserreichs Österreich-Ungarn war. Nach den Aufständen in der Lombardei 1848 wurden vor der damaligen Tiroler Grenze zu Venetien zwei Sperrgruppen angelegt, um eventuellen gegnerischen Truppen hier den Durchzug durch das Tal der Etsch zu verwehren. Zusammen mit Fort Chlapady bzw. Hlawaty (heute Forte Ceraino), dem Fort Wohlgemuth (heute Forte Rivoli) und der Straßensperre Chiusa (heute Forte di Chiusa) bildete das Fort Mollinary hinter der sogenannten „Sperre von Pastrengo“ den zweiten Riegel an der Etsch. Initiiert wurde der Bau von Feldmarschall Radetzky, benannt wurde das Werk nach Anton Freiherr von Mollinary, einem österreichischen General. Mollinary war bereits im Alter von 30 Jahren Oberst und Kommandant des Pionierwesens der österreichischen Armee, und zeichnete sich bei Kämpfen in Italien derart aus, dass er Namensgeber für das Werk wurde; auch war er hier sieben Jahre als Pionierkommandant eingesetzt.

Nahe der Ortschaft Monte auf einem Plateau in 410 Meter Höhe wurde es in hoch aufragendem Mauerwerk im Stil der damaligen Zeit aus behauenen Blöcken des hier vorkommenden Veroneser Marmors mit einer wasserundurchlässigen Tonschicht und darüber einer Erdaufschüttung von bis zu zwei Metern auf der Decke erbaut. Es gab zwei Artillerieabschnitte: ein Kasemattenkorps, das nach Süden, Westen und Norden gerichtet war und ein zweiter Abschnitt nach Osten aus einer Mauer mit Wall und freistehenden Feldgeschützen. Das Kasemattenkorps, das nach Art einer Zitadelle gebaut war, verfügte im unteren Stockwerk über zwei Kanonenscharten nach Süden, fünf nach Westen und vier nach Norden. Der Hof konnte aus Gewehrscharten bestrichen werden. Der Kehlseite war ein trockener Graben von drei Metern Breite und zwei Metern Tiefe vorgelegt. Dieser musste auf einer Zugbrücke überschritten werden.

Das Festungswerk in verschiedenen Aufrissen

Die Kriegsbesatzung bestand aus einer dreiviertel Kompanie Infanterie und 95 bis 115 Artilleristen. Die maximale Artillerieausstattung konnte aus bis zu 24 Geschützen bestehen (diese Angaben beziehen sich auf die italienische Zeit, also nach 1884).

Während des sogenannten Deutschen Krieges versuchte Italien 1866 Venetien militärisch zu erobern (Dritter Italienischer Unabhängigkeitskrieg), und griff unter anderem auch die hier beschriebenen Festungswerke an – allerdings  ohne Erfolg.  Da jedoch das mit Italien verbündete Preußen Österreich in der Schlacht von Königgrätz besiegt hatte, musste Österreich Venetien trotz seiner militärischen Erfolge im Süden an Frankreich abtreten, das es dann schließlich an Italien weitergab.

Die Südgrenze Österreichs hatte sich damit nach Norden verschoben und die Festungswerke waren nun in italienischer Hand. Um sie für sich nutzen zu können, mussten die Italiener umfangreiche Umbauten vornehmen. So sollte es z. B. der Artillerie im Fort ermöglicht werden auch nach Norden zu wirken. Diese Umbaumaßnahmen dauerten bis 1884 an. Im Zuge der Wiederindienststellung des Forts wurde es umbenannt in Forte Monte.

Das Fort Mollinary/Forte Monte im Sommer 2013

Aufgrund der veralteten Bauweise waren die Forts jedoch schon bald als Festungsbauten nutzlos geworden. Das Fort Mollinary bzw. Forte Monte wurde von der italienischen Armee schließlich als Magazin genutzt. 1943 fiel das Werk in die Hände der Deutschen Wehrmacht, die es weiter als Munitionsdepot nutzte. Während des Rückzugs der Deutschen im Frühjahr 1945 wurde das Werk in Teilen gesprengt (ob von den Deutschen selbst oder, wie andere Quellen besagen, von den umliegenden Bewohnern, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen). Die Anlage wurde dabei schwer beschädigt. Heute befindet sie sich in Privatbesitz und ist stark verwahrlost. Erreichen kann man das Fort über die Ortschaft Monte. Dort folgt man der alten Werkstraße, die – wenn man ihr weiter folgt – direkt zum Forte Ceraino führt. Eine Besichtigung dieses Bauwerks lohnt sich auf jeden Fall, allerdings ist das Gelände sehr unsicher und birgt Gefahren.

Die folgenden Fotos sind im Juli 2013 entstanden:


Vom Ort Monte auf der alten Werkstraße her kommend bietet sich dieser Blick auf das Fort

Das alte Eingangsportal von innen gesehen







Blick auf das auf der anderen Seite der Etsch gelegene ehemalige Forte Rivoli





In den unteren Geschossen fehlen z.T. die Decken


Riesige Hallen und mächtige Gewölbe zeugen noch heute von der einstigen Größe



Die Treppe ins Nichts

Blick von der Werkstraße aus auf das Eingangsportal



Von der alten Werkstraße aus bietet sich dieser schöne Blick auf das benachbarte Fort

Werkstraße - Panorama (Montage)

Einen sehr interessanten Text über die Festung Valmorbia findet man auf der Internetseite der Süddeutschen: Das Gemetzel von Valmorbia.


Quellen: Wikipedia, www.moesslang.net; Fotos: eigene (Juli 2013) bzw. wie angegeben