Montag, 19. November 2012

The Mountains of Kong

Diesmal geht es um einen ganz speziellen Lostplace, nämlich um einen, den es nie wirklich gegeben hat: die „Kong-Berge“ bzw. die „Mountains of Kong“ auf dem afrikanischen Kontinent.

Wenn man heute einen Atlas mit der Karte Afrikas aufschlägt, wird man in der Nähe des 10. Breitengrades vergebens nach den Kong-Bergen suchen. Vor rund 200 Jahren war das jedoch ganz anders…

Karte von Afrika aus dem Jahr 1805

Schuld daran trägt der britische Geograph James Rennell (1742–1830). Er übernahm 1798 geographische Daten seines Landsmannes und bekannten Afrikareisenden Mungo Park (1771-1806), die auf dessen Entdeckungen basierten. Allerdings verfälschte er Parks Daten, indem er in der Nähe des 10. Breitengrades ein Gebirge mit dem Namen „Mountains of Kong“ einfügte. Er tat dies offensichtlich, um seine These über den Verlauf des Nigers zu stützen.

Der britische Kartograf Aaron Arrowsmith stellte die Kong-Berge auf seiner im Jahre 1802 erschienenen Karte „Africa“ erstmals bildlich dar. Nachfolgende Geographen übernahmen diese Gebirgskette in ihre eigenen Karten. Das Kong-Gebirge wurde als Wasserscheide zwischen dem Niger im Norden und dem Golf von Guinea dargestellt. Es sollte eine Länge von etwa 1.000 km haben und parallel zum 10. Breitengrad verlaufen. Bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein tauchte es somit in fast allen Landkarten von Afrika auf.

Um das Gebirge selbst wurden im Laufe der Zeit einige Legenden aufgebaut. So wurden „schneebedeckte Gipfel“ und Goldvorkommen beschrieben, auch wurde behauptet, dass das Gebirge als „unüberwindliches natürliches Hindernis“ keinen Handel der Bevölkerung zwischen Küste und Hinterland ermögliche.
Selbst in die Weltliteratur hielten die Kong-Berge Einzug. In Jules Vernes Werk „Robur der Sieger“ (1886) heißt es im 12. Kapitel: Am Horizont erhoben sich schon in undeutlicher Linie die Kong-Berge des Königreichs Dahomey.

Der Schotte MacGregor Laird, der zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder eine angesehene Werft betrieb, unternahm 1832 mit einem der ersten eisernen Dampfschiffe eine Expedition zum Niger. Diese Expedition endete in einer Katastrophe, denn die meisten der Teilnehmer starben an Malaria. Laird gehörte jedoch zu den wenigen Überlebenden und schilderte später in seiner 1837 erschienenen „Narrative of an Expedition into the Interior of Africa“ über die Kong-Berge:

„[…] In passing under the hill on which the town of Attah is situated, a magnificent and imposing view of the Kong-Mountains suddenly presents itself. There is something so grand in this prospect, that no language can do justice to a description of it. […]
The novelty of its appearance, and the magnificent prospects of the mountains, (the first I had seen since leaving my native land, many months ago,) excited sensations of pleasure and delight to which I had long been a stranger. […]
On Tuesday, the following day, with the assistance of a smart breeze, we made good progress and were nearing the Kong-Mountains rapidly. One mountain had a very remarkable appearance resembling a sugar-loaf, covered with verdure and crowned with a dark black summit. [...]“

MacGregor Laird war so tief beeindruckt von der großartigen Perspektive und dem wunderschönen und imposanten Blick auf die Kong-Berge, dass ihm die Worte fehlten, um dieses Gefühl gebührend zu beschreiben. Interessant auch die Beobachtung eines Gipfels der Kong-Berge, den er als merkwürdige Erscheinung, ähnlich einem Zuckerhut, mit Vegetation bedeckt und gekrönt mit einem dunklen schwarzen Gipfel, beschreibt.

Die Mountains of Kong auf einer Karte von 1813

In der vierten Ausgabe von Meyers Konversations-Lexikon von 1880 werden die Kong-Berge unter anderem als „unerforschtes Gebirge, welches nördlich von der Küste von Oberguinea auf einer Strecke von 800–1.000 km zwischen dem 7. u. 9. Breitengrad bis zum 1.° westl. L. v. Gr. sich hinzieht“ beschrieben. Am Ostende liege die Stadt „Kong, welche noch kein Europäer betreten hat, die aber nach  Aussage der Eingeborenen der größte Markt dieser Gegenden sein und Baumwollenstoffe fabrizieren soll, welche im Sudan in Ruf stehen.

Erst die Afrikareise des französischen Offiziers und Afrikaforschers Louis-Gustave Binger in den Jahren 1887/88 bereitete der Legende der Kong-Berge ein Ende. Binger erreichte am 20. Februar 1888 die Stadt Kong, und stellte dabei fest, dass die auf den Karten eingetragenen Kong-Berge gar nicht existierten.

Letztmalig wurden die Kong-Berge 1905 in Tramplers Mittelschulatlas (Wien) eingezeichnet. Seitdem ist es sehr still geworden um dieses Gebirge, das es nie wirklich gegeben hat…


Quellen: Wikipedia, bzw. wie angegeben