Donnerstag, 7. Mai 2009

Rixförde - das Teehaus und das Gut Rixförde


Das Teehaus

Am Rande eines idyllischen, mittlerweile verwilderten Parks mit Teich und alten Eichen liegt das wohl ungewöhnlichste Baudenkmal im Landkreis Celle: ein 1910/1911 erbautes Teehaus bzw. Gartenhaus. Erbaut wurde es von Paul Eduard Schultze-Naumburg als "Gartenhaus auf Gut Rixförde/Celle".
Zu erreichen war es über zwei Waldwege vom Gutshaus und vom Teich (die sich auch heute noch erahnen lassen). Auf ovalem Grundriss steht der hohe, eingeschossige Bau, der verputzt ist und mit einem Kappendach geschlossen wurde. Er liegt sehr schön auf einer leichten Anhöhe unter Eichen.

Im Landkreis Celle ist dieses Gebäude einmalig, im Nachbarlandkreis Soltau-Fallingbostel gibt es noch zwei weitere, die auch genutzt werden. Das Rixförder Teehaus ist zwar solide gebaut, es bietet heute aber einen tristen Anblick.


Wie Günter Ilper, der als Vorsitzender die Jägerschaft Celle von Rixförde aus führt, weiß, ist das Teehaus seit dem Krieg nicht mehr genutzt worden und droht zu verfallen. Innen im etwa 50 Quadratmeter großen Hauptraum mit Kamin, dessen Vorbild im Heidelberger Schloss steht, türmen sich ausrangierte und ramponierte Möbel.

Zur Parkseite (heute eine Pferdekoppel) sind die großen, durch zwei ionische Säulen unterteilten und bis zum Boden reichenden Fensteröffnungen ausgerichtet, und boten somit freie Sicht auf die schöne Landschaft. Heute sind die schützenden Jalousien teilweise herabgestürzt und erlauben den flüchtigen Blick ins dunkle Innere des Gebäudes.
Der Putz löst sich an vielen Stellen großflächig ab, auch die Gesimse bröckeln und hinterlassen klaffende Löcher. Das Dach ist teilweise undicht, so dass seit vielen Jahren Feuchtigkeit in das Gemäuer eindringen kann und dort enormen Schaden anrichtet.
An der Westseite des Teehauses ist ein Eingang in
den Keller vorhanden. Wie ich erfahren habe, diente dieser auch als Luftschutzraum während des zweiten Weltkrieges.

So ist es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses einmalige Baudenkmal komplett verfallen sein wird. Das ist extrem schade, denn man könnte sicher mit einfachen Mitteln zumindest den jetzigen Zustand erhalten, indem man das Dach und die Fenster abdichtet. So aber dringt unentwegt Wasser und Feuchtigkeit ein und richtet unwiederbringlichen Schaden an.



Das Gutshaus

Ob dem benachbarten Gutshaus das gleiche Schicksal bevorsteht? Der Hamburger Schiffsreeder Loesener legte den Gutshof an. 1883 war das Jagdhaus als Kern des Gutshauses errichtet, 1888 wurde es erweitert. Einen letzten Anbau, westlich an das bestehende Haus, erhielt das Gebäude 1922.

Heute sind anscheinend die Besitzverhältnisse so kompliziert, dass sich niemand mehr verantwortlich fühlt bzw. die Kosten und Mühen scheut, um das Gebäude weiter zu nutzen.

Sicher ist hier ein extrem hoher Sanierungsaufwand zu leisten, der wird jedoch von Jahr zu Jahr steigen, sofern dieser momentane "Dornröschenschlaf" noch weiter anhält.


Diese Postkarte aus dem Jahr 1910 vermittelt einen Eindruck des Gutshauses Rixförde, wie es zu Kaisers Zeiten bestand (noch ohne den 1922 erfolgten Anbau). 10 Jahre zuvor, im Jahr 1900, wurde das Gebäude zum Mittelpunkt des selbständigen "Gutsbezirks Rixförde", welcher 1928 von Oldau eingemeindet wurde.
Der Teich (auf der Postkarte im Vordergrund zu erkennen) ist auch heute noch vorhanden, jedoch ist er sehr stark
versandet und größtenteils zugewachsen. Die Vegetation erobert sich seit Jahrzehnten ihr Terrain zurück, so dass dieser Blick vom Teich zum Gutshaus heute kaum noch möglich ist.
Das Gutshaus ist seit Jahren unbewohnt und macht einen traurigen, aber immer noch imposanten Eindruck. Bleibt zu hoffen, dass dieses schöne Gebäude nicht ebenso verfällt wie das Teehaus in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.



Der ehemalige Hauptzugang zum Gut Rixförd
e

Gegenüber dem mittlerweile nicht mehr bewirtschafteten Gasthof "Heidjers Einkehr" an der Landesstraße L310 in Allerhop befindet sich noch
heute der ehemalige Haupteingang zum Gut Rixförde. Ein imposantes schmiedeeisernes Tor mit zwei großen Flügeln sowie einer einzelnen Tür, eingerahmt von zwei mächtigen Säulen auf denen große Kugeln ruhen - dies ist der steinerne Zeuge einer großen Vergangenheit des Guts Rixförde.

Der Landbesitz, der zum Gut gehört, ist riesig und erstreckt sich vom Süden der Siedlungsgrenzen Hambührens bis vor die Tore Wietzenbruchs und Fuhrbergs. Diese Gegend war lange Zeit eine der Hochwildjagden der Hannoverschen Könige, dann 1866 Teil des Königlich Preußischen Reviers.

Die Jagd war auch der Hauptgrund, weshalb der Hamburger Schiffsreeder Loesener 1882 die ersten Flächen des späteren Guts erwarb. Im Laufe der Jahre kaufte
Loesener immer weitere Flächen dazu, so dass er bald einen Besitz von über 500 Hektar sein Eigen nennen konnte. Neben der Jagd begann Loesener auch Landwirtschaft zu betreiben und schuf Unterkünfte für Landarbeiter, Viehställe und eine Scheune.

In dem „Rückblick auf die Geschäftsjahre 1904-1907“ der „Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover“ finden sich verschiedene Hinweise auf die jagdlichen Ambitionen Loeseners. So ist hier folgendes zu lesen: „Schiffsrheder Loesener setzte Kreuzungen vom Rothirsch, Cervus elaphus L., und dem Wapiti in Rixförde bei Fuhrberg aus. Da die Brunft mit der des Rothirsches nicht zusammenfiel, schoss man die Blendlinge ab.“ Und weiter heißt es: „Zwölf sibirische Hirsche, deren Artzugehörigkeit nicht genau zu erfahren war, wurden von Loesener in Rixförde ausgesetzt, wobei ein Stück entsprang. Die Fremdlinge hielten sich gut, wurden aber nach Loeseners Tode abgeschossen.“ Aber Loesener versuchte nicht nur Großwild anzusiedeln: „In Rixförde wurden durch Schiffsrheder Loesener um 1901 mehrfach Schopfwachteln, einmal 30, ein anderes Mal 40 Stück, ohne Erfolg ausgesetzt.“ Und schließlich: „Loesener setzte 6 Perlhühner in Rixförde aus, ließ sie aber bald abschießen, weil sie zu sehr lärmten.“


Nach Loeseners Tod 1903 erwarb ein Ölspekulant das Gut, welches er aber nach erfolglosen Bohrungen bereits ein jahr später wieder verkaufte. Oskar Barckhausen als nächster Eigentümer vergrößerte den landwirtschaftlichen Betrieb und fuhr mit der Kultivierung der Gutsflächen fort. Aus seiner Zeit stammt auch das Teehaus.
Schließlich erwarb Willy Tischbein (Generaldirektor
der Continental AG in Hannover) das Gut im Jahre 1916 und auch er setzte die Bautätigkeiten fort. So wurde noch ein Wirtschaftsgebäude errichtet und ein oktogonaler Anbau an das Gutshaus (1922).


Tischbein führte eine intensive Bewirtschaftung ein, legte sein Hauptaugenmerk aber auf die Jagd - was man noch heute in der Anlage der Wald- und Ackerflächen nachvollziehen kann. Nach Tischbeins Tod am 9. Februar 1946 führte seine Frau den Betrieb zunächst weiter.
Mitte der 50er Jahre waren auf dem Gut fast 50 Menschen beschäftigt. Später wurden die landwirtschaftlichen Flächen verpachtet. Bis heute ist der Besitz in Händen der Nachkommen Tischbeins. Zur Geschichte der Familien Tischbein und Erdmann kann man übrigens hier sehr interessante Details erfahren.


Fotos Teehaus: 11. Juli 2009; Fotos Eingang/Brücke: 22. November 2009.

Ein aktualisierter Beitrag mit weiteren interessanten Fotos und neuen Details findet sich hier.

[Quelle: Cellesche Zeitung, A. Babel, 1.2.2006; "Baudenkmale in Niedersachsen" Band 18.2;
eigene Fotos; eigene Recherche]